»Ah Señora Bastiano — auch einmal in San Lorenzo?« lachte der Mann. — »Sie kommen gerade recht zum Mittagsessen — haben Sie aber keine Furcht, meine Frau wird Ihnen schon etwas Besseres zubereiten. — Ich koche hier eben nur schwarze Dinte.«
»Aus alten Vorlegeschlössern?«
»Aus altem Eisen und grünen Cocosnußschalen — man muß sich zu helfen wissen, Señora, wenn man so weit von einer Stadt abwohnt. Aber wollen Sie nicht hinaufgehen? Manuelita wird sich unendlich freuen, Sie zu begrüßen. Ich komme auch gleich nach.«
Die Señora folgte würdevoll der Einladung, und als Eva den Platz erreichte, war es unmöglich, jetzt ein Anliegen bei ihr vorzubringen. Sie wäre in diesem Augenblick mit Entrüstung über eine solche Unschicklichkeit abgewiesen worden.
Dicht daneben wohnte eine alte Indianerin mit ihrer Tochter. Wie Eva mit niedergeschlagenen und thränenden Augen auf der Straße stand, rief die Alte gutmüthig von oben herunter:
»Was hast Du, Kind? — weshalb weinst Du? komm herauf.«
Draußen in der Bai lag ein Schiff, dasselbe, das die neuen Einwanderer hierher gebracht. Ein paar betrunkene Matrosen kamen lachend und schreiend die Straße herab, und aus Furcht, von ihnen gesehen zu werden, folgte das arme Mädchen der Einladung.
Dort mußte sie jetzt erzählen, was sie hierher geführt, und weshalb sie so traurig sei, und die Alte schüttelte dabei den Kopf und sagte:
»Die Fremden sind schlimm, aber die eigenen Landeskinder sind noch viel schlimmer, wo sie einen von uns, sei es nun ein schwarzer oder ein brauner Mensch, unterdrücken können. Daß ihre Haut von der Sonne gebleicht ist, während die unsere davon gebrannt wurde — ist's unsere Schuld? aber verachten thun sie uns doch, wo wir ihnen in den Weg treten, und prahlen thun sie auch, daß Gott der Herr uns nur erschaffen habe, um für sie zu arbeiten.«
»Aber wie kann ich den armen Menschen jetzt befreien?« bat Eva, die nur dem einen Gedanken folgen mochte.