»Ja mein Herz,« sagte die Alte kopfschüttelnd, »was willst Du da machen? Wäre es hier im Orte, so könnten Dir die Fremden vielleicht dabei helfen, die bringen Manches fertig, was Unsereiner für unmöglich gehalten hätte. Aber während Du hier herumläufst und Deine Zeit verlierst, marschirt der Weiße ruhig seine Bahn fort, und kommt er dann nachher, wo die Trocha ausläuft, oben an den Bogota, so ist er mit einem der dort immer vorbeifahrenden Canoes fort, und wer soll Dir sagen, ob er stromauf oder stromab gegangen.«

»Und mündet der Pfad an keinem Haus aus?«

»Segne Dich Gott, Kind, nein. Blanker, wilder Wald ist's, durch den er läuft, voll von wilden Schweinen und Schlangen und Tigern, so daß sich keiner von unseren besten Männern allein hinein getraut. Es gehen immer nur wenigstens zwei mitsammen hinein, damit sie Hülfe haben, wenn Einem ein Unglück zustößt.«

Eva hatte mit ängstlich klopfendem Herzen der Beschreibung gelauscht, aber vor ihrer Seele stand nur das Bild des Geliebten, der, selbst während sie hier zauderte, weiter und weiter in eben jenen furchtbaren Wald hineingetrieben wurde, während sie ja die Mittel in Händen hielt, ihn der Freiheit, dem Leben wiederzugeben.

»Und kann ich den Weg finden?« sagte sie endlich, und ihr Auge glühte dabei von einem wilden, fast unheimlichen Feuer — »ich fürchte mich nicht vor dem Walde, ich bin ja darin aufgewachsen.«

»Die Trocha, Schatz?« sagte die Alte — »und wer wird mit Dir gehen?«

»Ich habe Niemand,« seufzte das arme Mädchen, »aber Gott ist mit mir.«

Die Alte schüttelte den Kopf.

»Das ist Wahnsinn,« brummte sie. »Wenn Du auch der Trocha folgen könntest, und wirklich von keinem Tiger unterwegs gefressen würdest, was wolltest Du machen, wenn Dich der Weiße nachher wieder unverrichteter Sache fortschickte — was er jedenfalls thut. Wenn er Deinen José hätte losgeben wollen, so würde er ihn nicht von Concepcion mit fortgenommen haben. Wart's ab, Kind, Du bist noch jung, und es fällt Dir schwer etwas aufzugeben, an das Du Dein Herz gesetzt hast — mit den Jahren lernst Du's« — setzte sie seufzend hinzu, »und — wirst es auch zuletzt gewöhnt. Lieber Himmel, was wird uns hier auf der Welt nicht genommen, das wir lieb und theuer hatten, und die Geistlichen, wenn sie einmal zu uns kommen — sagen dann, man müsse dem lieben Gott für Alles danken — auch für Leid und Trübsal.«

»Wenn ich nur den Platz wüßte, wo die Trocha beginnt,« sagte Eva, die keine Sylbe der letzten Rede verstanden, oder auch nur auf den Sinn geachtet hatte.