Das junge Indianermädchen hatte daneben gestanden, und mit mitleidigen Blicken die Fremde betrachtet.
»Ich weiß den Platz im Wald, wo die Trocha beginnt« sagte sie plötzlich — »ich war dort — ich bringe Dich über den Nadadero hinüber, bis zu der Stelle, wo die niedergebrochenen Stämme über den Sumpf führen.«
»Und was soll ihr das helfen, Muchacha,« rief die Alte, »thörichtes Kinderzeug, das Ihr alle beide seid und glaubt, Ihr müßtet Euren Willen haben zu jeder Zeit. Soll das tollkühne Mädchen etwa allein in die Wildniß hineinlaufen, und elend darin zu Grunde gehn? Wer hat sie dann auf dem Gewissen? — Du und ich.«
»Oh fürchtet nicht für mich,« rief Eva rasch, »ich bin stärker als ihr glaubt.«
»Was hilft Dir Deine Stärke, Kind, wenn Du Dich verirrst und in die Sümpfe, oder gar zurück zu der Bai in die Manglaren hinein geräthst — Perdido! es ist ein entsetzliches Wort, und ich möchte Dir nicht wünschen, daß Du seine Schrecken erfährst. Sei vernünftig und füge Dich.«
Eva stand zaudernd — aber wieder tauchte des armen José Bild vor ihr auf.
»Ich gehe,« hauchte sie — »führe mich, gutes Mädchen — thu' mir die Liebe, und zeige mir den Weg. Du bist ja die Einzige, die mir helfen will.«
»So komm,« sagte das junge Indianermädchen entschlossen. »Sie hat Recht, Mutter; ich würde gerade so an ihrer Stelle handeln.«
»So lauft meinetwegen,« rief die Alte mürrisch. »Wer nicht hören will, muß fühlen, caramba und ich will mit Euch beiden tollen Mädchen Nichts weiter zu thun haben. So viel aber prophezeihe ich Dir, Negrilla — Dein Geld nehmen Sie Dir ab, und Deinen José führen sie trotzdem mit fort. Ich kenne die beiden braunen Schufte, die der Ecuadorianer bei sich hat. — Der Eine von ihnen war es, der meines Vaters Haus bei Esmeraldas in Brand steckte, und daß der Andere nicht in Cachavi vor fünf Jahren gehangen wurde, verdankt er nur seiner schnellen Flucht. Es ist böses, böses Volk, dem Du allein nachlaufen willst und — gebe Gott, daß Dir nichts Schlimmeres geschieht.«