»Gott wird mich schützen und die heilige Jungfrau,« sagte Eva fest — »und Ihr, habt Dank für den guten Rath, aber wenn ich José erst erreicht habe, fürchte ich Nichts. — Er wird mich schon schützen, denn sein Arm ist stark wie Eisen.«
Die Alte seufzte tief auf, aber sie sah wohl, daß sie dem fremden Mädchen den einmal gefaßten Entschluß nicht ausreden könne.
»Halt,« sagte sie aber plötzlich — »dort in der Calebasse ist etwas gebackener Reis — den nimm mit — und da, die Bananen binde in Dein Tuch — Du mußt etwas auf dem Weg zum Leben haben, denn im Walde findest Du Nichts als Negritonüsse, und weiter oben drinnen, wilde bittere Castanien.«
»Tausend, tausend Dank.«
»Und noch eins — dort in der Ecke steht eine alte Lanze, die mir einmal ein Strolch von Neu-Granadienser für Branntwein in Pfand gegeben hat. Er soll heute noch wiederkommen, und das alte Ding lehnt schon drei volle Jahr in meinem Hause hier, und ärgert mich jedesmal, wenn ich es ansehe. Nimm es mit.«
»Die Lanze?« lächelte Eva.
»Ja wohl, die Lanze,« sagte die Frau mürrisch. — »Du magst sie als Stock gebrauchen, zum Gehen — sie ist nicht zu lang dazu, oder als Wehr, wenn Dir etwas zustoßen sollte — wer weiß es denn, und zu schwer ist sie auch nicht zum Tragen. — Und noch eins, merke Dir den Weg gut durch den Sumpf, wenn Du allein zurückkehren solltest, daß Du den nachher nicht verfehlst, und dann — dann sprich wieder hier vor.«
»Wie soll ich Euch für Alles danken,« sagte das junge Mädchen schüchtern.
»Für was, für das alte Eisen?« brummte die Frau. — »Am allerliebsten ließ ich Dich gar nicht gehen — ja ich weiß schon,« setzte sie hinzu, als Eva eine bittende Bewegung machte, »all' mein Reden hilft mir doch Nichts — also lauf — und daß Du mir bald wieder zurückkommst, Cherita — bis zum Sumpf magst Du mitgehen, aber weiter keinen Schritt.«
»Weiter kann ich ihr ja auch Nichts helfen, Mutter,« sagte das junge Mädchen — »so komm, Fremde — Du hast einen weiten Weg;« und rasch stieg sie die Leiter hinab, während Eva noch einmal der Alten, statt weiteren Dankes, die Hand schüttelte, und der Vorangegangenen dann freudig folgte.