Es war ein wunderliches Paar, die beiden Mädchen. Die junge Negerin, voll aufgeblüht, mit dem Typus der aethiopischen Raçe, aber alles Unschöne daran gemildert, und mit dem vollen Ebenmaß ihrer Glieder, schlank und hoch gewachsen, während die Indianerin, vielleicht kaum sechzehn Jahre zählend, von lichtbrauner Farbe, wohl schlank, aber kleiner und schmächtiger war als Eva. Ihre Züge trugen den vollen Ausdruck der kaukasischen Raçe. Herrliches langes, schwarzes Haar floß ihr um die Schultern, und die dunklen, seelenvollen Augen wurden von den herrlichsten Wimpern beschattet. Auch ihre Hände und Füße waren zierlich und klein geformt, aber ihr ganzer Körper schien fast zu zart für dieses wilde Leben, und als Eva rasch und rüstig neben ihr hinschritt, faßte sie bittend ihre Hand und sagte:

»Du darfst nicht so rasch gehen, Fremde — mir thut es sonst hier in der Seite weh.«

»Bist Du krank, Herz?« frug Eva freundlich.

»Nein,« lächelte das junge Mädchen wehmüthig. — »Die Mutter behauptet es freilich, aber nur, weil sie sich so übermäßig sorgt. Siehst Du, so geht es ganz gut, und wir kommen doch rasch von der Stelle.«

So schritten die beiden Mädchen durch das Fischerdorf, das nur aus einzelnen, über den Rasen zerstreuten Häusern bestand, und tauchten in ein kleines Dickicht ein, durch welches ein sumpfiger Weg nach den Platanaren führte. Aber was kümmerte sie der Schlamm — beide hochgeschürzt und mit nackten Füßen, schritten sie rasch hindurch, und passirten jetzt die Bananenanpflanzung, in der sie eine Masse gefällter und darin umhergeworfener Bäume überklettern mußten.

Dicht dahinter lag der Nadadero, ein kleiner, reizender Waldstrom mit klarem Wasser, aber überall leicht zu durchwaten, und an dem anderen Ufer desselben betraten sie den eigentlichen Wald, aber hier noch licht und offen, aus Oelpalmen und der Palma real, Negritos und Laubwald bestehend.

Hier zeigte ihr Cherita zuerst den Beginn der Trocha — der sie von jetzt zu folgen hatte, und die hier aus weiter Nichts bestand, als einzelnen Marken an den Bäumen — ein Stück Rinde abgeschlagen oder einen Busch eingehauen, denn kein wirklicher Fußpfad führte hier hindurch. Die Hauptschwierigkeit war aber, den Durchgang durch den nächsten Sumpf zu finden, und die Indianerin hatte sich den gemerkt. Der Platz lag auch nicht mehr weit. Kaum eine Viertelstunde mochten sie so zurückgelegt haben, als sich das Terrain wieder senkte, und bald führte sie ihre Begleiterin seitab von den Marken zu einer Stelle, wo einer der mächtigen Waldriesen querüber in den Sumpf geschlagen war. Hier blieb sie stehen.

»Dort ist Dein Pfad, Schwester,« sagte sie leise, »und mag Gott Dich schützen, daß Du Deinen Zweck erreichst. Cherita wird für Dich beten.«

»Dank, Dank, Du herziges Kind,« sagte das junge Negermädchen gerührt, umschlang sie mit ihren Armen und drückte einen Kuß auf ihre Lippen.

»Und werd' ich es je erfahren?«