»Ich sende Dir Botschaft — verlass' Dich darauf.«
»Sei glücklich!« flüsterte die Indianerin noch einmal, während ein Paar große, helle Thränen ihre Augen füllten. Dann wandte sie sich ab und kehrte nach dem Dorf zurück, während Eva, den Lanzenschaft als Stütze brauchend, auf den alten Baum hinübersprang, und mit flüchtigen Schritten darauf hin eilte, ihrem Ziel entgegen.
[Sechstes Capitel.]
Im Walde.
Es war ein ganz eigenes, fast erdrückendes Gefühl, das Eva's Herz erfaßte, als sie zuerst allein in den düstern Urwald eintauchte, der in keinem Lande der Welt mächtiger und bewältigender auftritt, als in diesen Sümpfen. Aber sie schaute weder rechts, noch links — José war der einzige Gedanke, den sie kannte, und nur ihr Auge flog forschend über die nächsten Büsche, um die angehauenen Zweige und dadurch die einzig richtige Bahn nicht zu verfehlen.
Hier im Anfang war das freilich noch nicht möglich, denn der Zufall hatte da, wo der abgebrochene Wipfel des einen Baumes endete, einen anderen ihm entgegengeworfen, so daß diese beiden den schlimmsten und tiefsten Theil des Sumpfes vollkommen überdeckten. Wo sie den Baum verlassen mußte, sank sie nur noch auf mehrere Schritte weit bis über die Knie in flüssigen Schlamm, und zähes, dicht verwachsenes Wurzelwerk, das durch seine zahllosen und festen Fasern vielleicht eine Brücke über einen unsichtbaren Abgrund bildete, denn der eingestoßene Lanzenschaft fand keinen Grund. Aber dicht vor ihr lag fester Boden, und dort zeigte auch bald ein von einem Popabaum abgehauener Spahn mit der, an dem Stamm hinuntergelaufenen dicken und süßen, aber schon gelb gewordenen Milch deutlich und leicht erkennbar die Stellen, wo sich die Trocha in den Wald hineinzog.
Dicht über ihr ertönte plötzlich ein gellender Schrei, und Eva schrak empor, aber es war nur ein Affenschwarm, den ihr Erscheinen geängstigt hatte, denn die scheuen Thiere flüchteten jetzt über die dicht in einander gewachsenen Wipfel hin, um eine ruhigere Stelle zu suchen, als diese, und doch lag auch hier Todesschweigen auf der Waldung. Doch das Mädchen wendete dem plappernden, davon flüchtenden Trupp keinen Blick zu; nur ängstlich forschte sie nach den spärlichen Zeichen, die das Messer der Weißen hie und da an einem Busch zurückgelassen, und mit den nackten Füßen flog sie dabei leicht hin über niedergebrochene Aeste und weiter hin, als sie die Hügel erreichte, über rauhes Gestein.
Aber je weiter sie kam, desto deutlicher wurde auch die Trocha, die man Anfangs, wie noch unsicher der Richtung, kaum bezeichnet hatte. Durch das ärgste Dickicht fand sie an manchen Stellen eine ordentliche und breite Bahn freigehauen, und brauchte jetzt wenigstens nicht mehr zu fürchten, ihren Weg zu verlieren.