Wie still und geheimnißvoll lag aber der Wald! Wie das rauschte und brauste! Doch Eva war in dem Walde ja daheim, und fürchtete nicht seine Oede und Einsamkeit.
Huhp, Huhp! klang von da drüben her der wie hülferufende Ton einer ängstlichen Stimme.
»Rufe nur!« lachte das Mädchen trotzig vor sich hin, »mich lockst Du nicht von meinem Wege ab, falscher Verirrter!«[D] und fester packte sie ihren Lanzenschaft und glitt die steilen, schlüpfrigen Lehmabhänge nieder, watete durch niedere Bergwasser und klomm an feuchten Hängen hinauf, immer und aufmerksam der angezeigten Spur folgend.
Wohl hielt sie dabei den Blick am Boden selber, denn gerade von diesem Theil des Landes waren ihr gar schreckliche Geschichten erzählt worden, wie er von giftigen Schlangen wimmeln sollte. Aber sie fand bald, daß es in ihren heimischen Wäldern grade so viel, oder besser, grade so wenig gab, als hier, denn nur selten einmal sah sie eine kleine Schlange scheu aus der Trocha hinaus in das Dickicht schlüpfen, und wandte den Kopf nicht einmal, um nachzusehen.
Vorwärts lag ihre Bahn, aber wie schwül es hier in dem feuchten Walde war, in den dichten Büschen, während die niederen Negritopalmen mit ihren wunderlich stacheligen Fruchtkugeln den Raum zwischen Unterholz und Palmenkronen vollständig ausfüllten, und dadurch den Wald so dichteten, daß kein Sonnenstrahl auf das dunkelgelbe nasse Laub fallen, und es je abtrocknen konnte.
Und wie das plötzlich raschelte und wühlte, und brach um sie her. Erschrocken hielt sie still und horchte, aber es war nur ein Rudel von wilden Schweinen, von Seynos, von denen sie nichts zu fürchten hatte, wenn sie nicht eines der Jungen angriff, das dann vielleicht durch sein Quietschen die Alten zu Hülfe gerufen. Grunzend, und dann und wann einander bei Seite stoßend, durchwühlten sie quer über die Trocha hinüber den Grund, und Eva blieb dicht vor ihnen stehen, um sie erst vorüber zu lassen.
Da bekam ein alter Keiler Wind von ihr, und hob sichernd den Rüssel.
»Fort mit Dir, Bursche,« rief das Mädchen, und schwenkte die Lanze, und mit einem lauten, halb erschreckten, halb ärgerlichen Grunzen floh die schwarze Gestalt in den dicken Busch hinein, wohin ihm das alarmirte Rudel jetzt flüchtig folgte. Ein wahrhaft mephitischer Geruch erfüllte aber die Luft, durch die sie davon gestürmt.
Und weiter verfolgte das junge Negermädchen ihre Bahn. Ein kleiner, reißender Waldstrom lag quer durch ihren Pfad, aber was kümmerte sie der, sie schwamm hindurch und nahm sich, drüben am anderen Ufer angelangt, kaum Zeit die tropfenden dünnen Kleider nothdürftig auszuringen. Vorwärts mußte sie; überall vor sich im Wege sah sie die deutlichen Spuren der vorangegangenen Männer, den Eindruck von den Stiefeln jenes Guajaquilenen, die Fährten der nackten Füße seiner drei Begleiter, und sie wußte, daß die schmalste davon ihrem José gehörte — vorwärts, denn einen großen Vorsprung hatten diese, und erreichten sie den Bogota vor ihr, dann war auch dieser schwere Gang vergebens, und der Geliebte vielleicht auf immer für sie verloren.