Eva antwortete nicht gleich. Sie knüpfte von ihrem Gürtel das kleine Säckchen mit Silber los, das sie sorgfältig da vorne verwahrt hatte, und es dann in der Hand dem weißen Mann entgegenhaltend, sagte sie bittend:
»Nehmt das, Señor, ich bin einen weiten, mühsamen Weg gekommen, um es Euch zu bringen, und ich habe lange, sehr lange hart arbeiten müssen, bis ich so viel zusammenbringen konnte, aber es ist mit Freuden geschehen, wenn ich mir damit José's Freiheit erkaufen kann. Nehmt, es ist mehr, wie sein jährlicher Lohn beträgt; es sind sechsundvierzig Dollars, und laßt uns dann mitsammen in die Heimath ziehen.«
»Eva, mein braves, wackeres Mädchen!« rief José.
Der Ecuadorianer aber, während des armen Kindes Blicke in Angst und Hoffnung an ihm hingen, nahm lächelnd das Geld und wog es in der Hand.
»Also das ist Dein Schatz,« sagte er höhnisch, »und nur seinet-, nicht meinetwegen bist Du hier in den Wald gekommen?«
Des Mädchens Blick hing zitternd an den kalten, spöttischen Zügen des Weißen.
»Und gebt Ihr ihn jetzt frei?«
»Frei?« lachte dieser, »wenn das Alles wäre, was er mir schuldete! Aber glaubst Du denn, Du albernes Ding, daß ich ihn die zwei Jahre nur dafür genährt und gekleidet und mit agua ardiente versorgt habe? Hundertundzwanzig Dollars ist er mir schuldig, und wenn die entrichtet werden —«
»Hundertundzwanzig, Señor,« rief da José erschreckt, »und wofür die Summe? Für die baumwollene Hose und Jacke, und den alten Hut?«