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42. DER TISCHLER UND DER AFFE

Ein Tischler saß auf einem Stück Holz und zersägte es. Er hatte zwei Keile. Den einen klemmte er in die Spalte, damit der Weg für die Säge leichter sein sollte, und wenn eine bestimmte Grenze überschritten war, schlug er den zweiten Keil ein und nahm den ersten heraus. In dieser Weise arbeitete er. Ein Affe sah der Arbeit des Tischlers und der Bewegung der Säge zu. Plötzlich mußte der Tischler während der Arbeit etwas anderes tun und ging weg. Als der Affe den Platz des Tischlers leer sah, kam er sogleich herbei, stieg auf das Holz und setzte sich darauf. Irgendwie kamen seine Hoden auf der Seite, wo gesägt war, in den Spalt, und er zog den Keil, ohne vorher einen andern einzuschlagen, heraus. Als der Keil herausgezogen war, schlugen die beiden Seiten zusammen und die Hoden des armen Affen wurden in dem Holze eingeklemmt. Der Affe schrie laut vor Schmerz und sagte: „Es ist gut, daß jeder in der Welt nur seine Arbeit macht, und der, der seine Arbeit nicht tut, der macht Gutes schlecht. Meine Arbeit ist es, Früchte zu pflücken. Was ging mich das Sägen an? Während es mein Beruf ist, mich im Walde umzuschauen, wozu [[255]]mußte ich mich mit Säge und Beil abgeben? Wer sich so benimmt, dem passiert das.“

Als der Affe sich selbst so tadelte, kam der Tischler. Als er ihn in dieser Lage sah, sagte er: „So geht es dem, der tut, was er nicht gelernt hat“ und ließ es nicht an reichlicher Strafe fehlen.

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43. DER FUCHS UND DIE TROMMEL

Ein Fuchs streifte in einem Walde umher. Von der Macht des Hungers getrieben suchte er überall in Gedanken nach Nahrung. Er kam gerade in die Nähe eines Baumes, an den man eine Trommel gehängt hatte. Bei jedem Windstoße wurde ein Zweig des Baumes in Bewegung gesetzt, der auf die Trommel schlug, wodurch ein schrecklicher Laut ertönte. Der Fuchs sah einen Hahn, der auf dem Kopf einen Kamm wie eine Kaiserkrone trug, ein Gefieder wie ein Pfau hatte und stolz und majestätisch auf einer Wiese einherstolzierte.

Der Fuchs verbarg sich in einem Winkel im Hinterhalte und wartete auf den Augenblick, wo er ihn erbeuten konnte. Da schlug plötzlich der Ton der Trommel an sein Ohr. Der Fuchs schaute hin und sah einen merkwürdigen Körper, von dem ein schrecklicher Ton ausging. Seine Freßbegier regte ihn auf und gab ihm den Gedanken ein, daß das Fleisch und Fett dieses Gegenstandes seiner Stimme gleich sein müßten. Sogleich verließ er das Versteck, wo er auf den Hahn lauerte, und ging auf den Baum zu. Als der Hahn dies merkte, brachte er sich in Sicherheit. Der Fuchs erstieg mit vieler Anstrengung den Baum und zerriß mit gierigem Zahn die Trommel, aber er fand sie innen leer und außen trockenes Holz und Fell. Das Feuer der Gier verbrannte sein Herz und das Wasser der Reue floß ihm in Strömen aus den Augen, und er sagte: „Schade, daß ich mich durch diese inhaltslose Form habe täuschen und mich durch diesen trügerischen Gedanken von meiner anständigen Beute habe abbringen lassen.“ [[256]]

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44. DER REIHER UND DER KREBS