Man nennt diese aus Konglomeraten von Harzgesteinen bestehende Ausfüllung der Mulden das untere Rotliegende. Am stärksten entwickelt ist diese Formation in der Grafschaft Mansfeld, wo sich zwischen ihr mächtige zu Mühl- und Bausteinen geeignete thonige Sandsteine finden, in der Gegend von Ilfeld, wo sie hoch in das Gebirge hinaufsteigt, und im Ermsleber Becken; doch umzieht sie, mehrfach unterbrochen, auch über Lauterberg den Harz bis Hahausen. An drei Stellen, bei Meisdorf und Opperode östlich von Ballenstedt, bei Grillenberg in der Nähe von Wippra und bei Sülzhain-Ilfeld-Neustadt enthält sie auch dunkle Schieferthone und wenig (¾-1½ Meter) mächtige Steinkohlen.

Porphyr und Granit.

Die Eruptionen dauerten fort. Zunächst entquollen, die Sedimente gewaltsam durchbrechend, dem Innern des noch immer mit Wasser bedeckten Harzes, besonders nördlich von Ilfeld, Ströme schwarzen Melaphyrs und ergossen sich über die unteren Schichten des Rotliegenden; ihnen folgte, weithin alles bedeckend, feuerflüssiger grauer Porphyr, der zum Teil auch in den darüber lagernden mächtigen postporphyrischen Konglomeraten als Geröll noch erhalten ist. Vielleicht sind zur selben Zeit — jedenfalls nach der Kulmperiode und nach der Entstehung des Diabases — die Porphyrmassen aufgestiegen, welche die fast parallelen, von Nord nach Süd streichenden Gangspalten des Kerngebirges zwischen Ilfeld und Wernigerode und Diabaszüge nach ihrer Faltung ausfüllten und durchsetzten; höchst wahrscheinlich auch die gewaltigen Ströme von Quarzporphyr, deren Reste wie im Auerberge bei Stolberg und in der Gegend von Lauterberg (Knollen, Ravenskopf) erkennen, wo einzelne Gänge eine Mächtigkeit von 20 Meter und eine Länge von 11 Kilometer erreichen.

Abb. 14. Apotheke in Zellerfeld.
(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)

Ebenso jung ist der Granit, den man einst für das eigentliche Urgestein unseres Planeten hielt. Er tritt in zwei großen Massiven auf: Ramberg-Bodethal und Brocken-Okerthal. (Der Okergranit ist eine nur oberflächlich abgetrennte Partie des Brockengranits.) Die vom Hexentanzplatz auslaufenden Apophysen („Auswüchse“, Ausläufer), denen das Brockenmassiv bei Hasserode kleinere Gänge derselben Facies entgegensendet, lassen keinen Zweifel darüber, daß der Granit erst nach der Faltung des Gebirges und später als der Diabas emporgequollen ist. — Rings um beide Granitmassen sind durch die schnellere Abkühlung und Erstarrung der feuerflüssigen Ströme die Sedimentsteine in der Weise verändert, daß sie sich durch krystallinische Beschaffenheit und massige Struktur, größere Härte und muschligen Bruch von den gleichnamigen nicht veränderten Gesteinen unterscheiden. Durch diese „Kontaktmetamorphose“ sind der Hornfels und seine Verwandten entstanden.


Zechsteinformation.

Nach diesen Ergüssen und Bildungen, die in die lange Periode des Rotliegenden fallen, erfolgte in dem größten Teile Deutschlands eine allgemeine Senkung der Erdrinde. Das Meer, welches über dem Harze flutete, wurde somit tiefer und lagerte seinen Schlamm gleicherweise auf den abradierten Ebenen der alten Sedimente, wie auf den in den Becken und Mulden neu entstandenen Geröllmassen des Rotliegenden ab. Bei ihrer Erhärtung bildete diese neue Ablagerung Zechstein und Kupferschiefer. Diese stets zusammen auftretenden Schichten — die mit dem Rotliegenden auch Perm heißen — umziehen den ganzen Südrand des Harzes von Hahausen bis in die Grafschaft Mansfeld, doch hat sich bis jetzt nur in dieser, wo Silbererze die vom Schiefer eingeschlossenen Kupfererze begleiten, das Flöz bauwürdig erwiesen. Die oberen Schichten der „Zechsteinformation“ bestehen aus Anhydriten und Gipsen, die besonders aus dem an Höhlen und Erdfällen reichen Zuge bekannt sind, der — vielfach pittoreske Felspartieen bildend — den Südrand des Harzes von Badenhausen bis Sangerhausen mauerartig umwallt; ferner aus Dolomiten und Letten; und auch die bis 1000 Meter mächtigen Steinsalze und die darüber lagernden Kalisalze, deren Abbau im letzten Jahrzehnt mit regem Eifer begonnen hat, gehören noch in diese Formation. —