Abb. 20. Hochwild im Winter.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Abb. 21. Hüttenmann.
(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)
Das niedrige Jahresmittel von Klausthal ist keineswegs die Folge einer abnormen Kälte des Winters. Erreichten doch z. B. im Jahre 1883 Nordhausen und Braunschweig eine um 1,5° und 3,9℃ größere Kälte, als jenes. Vielmehr hat das niedrige Jahresmittel seinen Grund in der langen Dauer des Winters und in der niedrigen Sommertemperatur. Auch der Vergleich mit Stockholm fällt ganz anders aus, wenn man statt des Jahresmittels die mittlere Temperatur der Jahreszeiten zu Grunde legt. Während diese in Stockholm auf -3,31℃ sinkt und im Sommer auf 22,04℃ steigt, sinkt sie in Klausthal (nach vierzigjährigem Durchschnitt) nur auf -1,79℃ und steigt nur auf +14,14℃. Diese durch die Höhenlage bedingten Unterschiede erklären die sonst auffällige Thatsache, daß in Lappland, welches mit dem Brocken etwa gleiche mittlere Jahrestemperatur hat, noch Getreidebau getrieben werden kann, der im Harze schon auf der Hochebene von Elbingerode aufhört, daß hier dagegen noch Buche und Roßkastanie gedeihen, die nordwärts den kalten Winter schon des mittleren Schwedens nicht vertragen.
Temperaturschwankungen.
Mit dem 3,96℃ betragenden Jahresmittel des Sonnenbergs (774 m) ist zugleich die Temperatur für die andern Einzelsiedelungen bis zum Brockenfelde — Königskrug, Oderbrück, Torfhaus — gegeben. Zum Vergleiche zwischen den beiden Stationen des Oberharzes mit dem am Gebirgsrande und in der Nähe des Harzes belegenen mögen noch folgende Angaben — für die ich das Jahr 1883 zu Grunde lege — dienen: Das Thermometer sank zum letztenmal unter 0° in Sangerhausen am 13. April, in Nordhausen, Göttingen und Braunschweig am 23. April, in Heiligenstadt am 7., in Salzwedel am 4., in Klausthal am 11. Mai und auf dem Sonnenberge am 19. Juni; zum erstenmal wieder auf dem Sonnenberg am 18. August, in Klausthal am 6., in Nordhausen am 7., in Göttingen am 23. Oktober, in Sangerhausen und Heiligenstadt am 16., in Braunschweig und Salzwedel am 17. November. — Die höchste Temperatur wurde in Braunschweig am 2. und 3., auf allen übrigen Stationen am 4. Juli erreicht; sie betrug in Salzwedel 35,5, in Magdeburg 34,5, in Göttingen 32,8, in Sangerhausen 32,6, in Braunschweig 32,0, in Nordhausen 31,4, in Heiligenstadt 31,2, in Klausthal 29,6, auf dem Sonnenberge 29,1℃. — Die niedrigste Temperatur betrug in Göttingen -10,5 (am 23. März und 8. Dezember), in Sangerhausen -11,1 (23. und 24. März), in Heiligenstadt -12,3 (24. März), in Salzwedel -13,0 (9. Juni), in Magdeburg -14,7 (15. März), in Klausthal -15,1 (23. März), in Nordhausen -16,4 (17. und 23. März), auf dem Sonnenberge -18,7 (13. März), in Braunschweig -19,6℃ (16. März).
Das Jahresmittel des Brockens soll nach den letztjährigen Beobachtungen nur +0,87℃ betragen; doch ist bis zur Gewinnung eines längere Perioden umfassenden Durchschnitts vorläufig noch an dem aus sämtlichen früheren Beobachtungen berechneten Mittel von 2,40℃ festzuhalten. Der Brockengipfel hat demnach fast genau das gleiche Mittel mit Tromsö im nördlichen Norwegen.