Klima des Harzes.

Abb. 19. Waldarbeiter (Lerbacher Holzhauer).
(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)

Auf dem Brocken begann bereits im Jahre 1836 der Wirt Nehse mit meteorologischen Beobachtungen. Sie sind aber von seinen Nachfolgern nicht regelmäßig fortgeführt, die längste völlige Unterbrechung währte sogar neun Jahre, und die später von Postbeamten und Oberkellnern gemachten Beobachtungen lieferten kein zuverlässiges Resultat. Dagegen reichen die sachkundigen und regelmäßigen Beobachtungen in Klausthal, wo sich seit 1876 sogar zwei Stationen in verschiedener Meereshöhe befinden, bis 1854 zurück.

Das aus vierzigjährigen Barometerbeobachtungen gewonnene Mittel des Luftdrucks beträgt in Klausthal 710,51 Millimeter; seinen höchsten Stand behauptet das Barometer in den Monaten Juni bis September, seinen niedrigsten in den Monaten März, April, November und Dezember. Der Sonnenberg hat ein Jahresmittel von 692,92, der Brocken von 662,2, Nordhausen 741,76, Sangerhausen 747,85 Millimetern.

Das früher für Klausthal zu 6,2℃ angenommene Jahresmittel der Lufttemperatur sinkt bei Berücksichtigung der vierzig Jahre von 1856–1896 auf 6,03℃, übertrifft also das von Stockholm (5,7℃) nur um ein Geringes. Doch sind die Unterschiede der einzelnen Jahre beträchtlich: so hatte das Jahr 1872 eine Temperatur von 7,58℃, das Jahr 1879 nur 4,41℃. Die größte Kälte wurde am 4. Januar 1894 mit -21,80℃, die größte Wärme am 23. August 1892 mit 31,60℃ erreicht.

In der zweiten Hälfte der vierzigjährigen Beobachtungsperiode ist ein auffälliger Rückgang der Temperatur eingetreten. Während nämlich das Mittel der 10 Jahre von 1856 bis 1866 6,17℃, das der folgenden 10 Jahre 6,22℃ betrug, erreichte es in den Jahren 1876–1886 nur 5,87℃ und in den Jahren 1887–1896 nur 5,68℃.

In dem vorletzten Abschnitt waren die Tage vom 25. bis 29. Juni mit einer mittleren Temperatur von 15,22℃, im letzten die Tage vom 25. bis 29. Juli mit einer mittleren Temperatur von 15,27℃ die wärmsten, während sich in der Zeit vom 11. bis 15. Januar mit einer mittleren Temperatur von -3,63℃ in jenem, und in den Tagen vom 1. bis 5. Januar mit einer mittleren Temperatur von -4,82℃ in diesem Abschnitt die größte Kälte geltend machte. Der erste fünftägige Zeitabschnitt mit einer mittleren Temperatur unter 0℃ fiel auf den 17. bis 21. November (27. November bis 1. Dezember), der letzte auf den 22. bis 26. März (12. bis 16. März). Klausthal hat also etwa 120 Tage mit einer mittleren Temperatur unter 0℃.

Charakteristisch ist für das Klima des Oberharzes der jähe Wechsel der Temperatur an ein und demselben Tage. Beträgt der Unterschied zwischen dem Maximum und Minimum eines Tages im Sommer oft 20℃, so ist er doch auch in den andern Jahreszeiten nicht unbedeutend. So stieg am 2. März 1877 die Temperatur von -13,81 um 7 Uhr morgens auf +3,56 um 2 Uhr nachmittags und fiel wieder auf -10,65℃ um 9 Uhr abends. Dem Oberharz ist ferner eigentümlich, daß sich hier die „drei gestrengen Herren“ im Monat Mai nicht bemerkbar machen (so daß auf der Hochebene die Spuren der Nachtfröste, die in den Vorbergen den ersten Trieb der Laubbäume beschädigen, kaum zu sehen sind); und daß im Monat Dezember nach der ersten Frost- und Schneeperiode fast regelmäßig eine Zunahme der Temperatur unter reichlichen Regengüssen eintritt. (So stieg z. B. im zweiten Drittel des Monats Dezember 1893 die Temperatur von -0,20° bis auf +6,20° und sank im letzten Drittel auf -14,30℃.) Diese „Weihnachtsflut“ bringt den als Kraftspeicher für den Bergbau dienenden Sammelteichen sehr erwünschte Zuflüsse.