Minerallösungen.
Eine spätere entgegengesetzte Aufbauchung des Harzes in der Richtung der großen Achse — also von Südost nach Nordwest, durch welche die Schichten auch in der Richtung der kurzen Achse zerrissen und gespalten wurden, so daß nun die einzelnen Schollen oft in unregelmäßig viereckigen Stücken mosaikartig verschoben nebeneinander liegen — scheint auch durch Bildung der Thalfurchen den Flüssen und Bächen den Lauf vorgezeichnet zu haben. Es wäre sonst auffällig, daß das Gebirge die Flüsse nicht auf beiden Ufern gleichweit begleitet. Daß sich diese Spalten auch in den dem Harze vorgelagerten jüngeren Gesteinen unterirdisch fortsetzen, beweisen die mächtigen Quellen bei Altwallmoden und Baddekenstedt, die unzweifelhaft das bei Langelsheim teilweise versiegende (d. i. in die Tiefe fallende) Wasser der Innerste — doch auch das damit verbundener Nebenspalten, denn nach Abteufung der Kalischächte hat es an Reinheit eingebüßt — in gewaltigen Massen wieder zu Tage fördern.
Abb. 18. Wildschweine im Winter.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Während durch die schwache, aber stetige Arbeit des Minerallösungen einführenden Wassers die Klüfte, Gänge und Spalten bis auf die Drusenräume immer wieder verkittet und ausgefüllt wurden, erweiterte es, oft bachartig auftretend, die weit klaffenden Hohlräume im Kalk und Dolomit, in Gips und Steinsalz durch seine auflösende Eigenschaft zu großen Höhlen, füllte diese mit Lehm und schmückte ihre Wandungen in späteren Zeiten, als das Gebirge sich weiter gehoben hatte, mit den wundersamen Tropfsteingebilden. Auch die sogenannten Gletschertöpfe beim Iberger Kaffeehause, schlotartige Vertiefungen, sind wohl — ähnlich wie die Erdfälle — auf diese auflösende, nicht auf die mechanische Thätigkeit des Wassers zurückzuführen und als „geologische Orgeln“ anzusprechen. Grundmoräne und Moränenschutt, die Gletscherprodukte im Flachlande, fehlen auf dem Harze; die Geschiebe nordischer Gesteine, welche sich auf der Hochfläche des Unterharzes finden, waren vermutlich in Eisberge eingefroren, welche die Fluten der Eiszeit hierher wälzten.
Auch an der Umwandlung, der „Metamorphose“ der Gesteine ist das sickernde Wasser stark beteiligt. Es löste die Kieselsäure der Eruptivgesteine und „verkieselte“ die mit diesen im „Kontakt“ stehenden Sediment- und Kulmschichten; wo Kalk in den Gesteinen war, bildete es „Silikate“ — Granaten und „Katzenaugen“ und andre — und neben Diabas und Schalstein verwandelte es den Kalk in Eisenstein.
Finden sich in den erwähnten Moränen des Flachlandes große Massen von Harzgesteinen, die es beweisen, daß schon in jener Zeit der Harz soweit als Gebirge hervorragte, daß seine Flüsse Gerölle hinunterführen konnten, so verstärkte eine letzte Heraushebung des Harzes, deren Zeitpunkt wir nicht kennen, diese Wirkung des Wassers bedeutend, denn nun wurden die Berge höher, die Schluchten und Thäler tiefer, das Wassergefälle bedeutender; und der bis heute dauernden Erosion verdanken wir den anmutigen Wechsel von Berg und Thal, der jedwedes Herz erfreut.