Zur Zeit, als Trias, Jura, Kreide und Braunkohlen sich nacheinander ablagerten, war der Harz noch völlig vom Meere bedeckt. Hätte er auch nur teilweise soweit aus den Fluten hervorgeragt, daß eine Brandung entstehen konnte, so müßten sich Gerölle vom Harzgestein, von Grauwacke, Kieselschiefer u. s. w. in jenen vier Formationen finden. Dem ist aber nicht so. Sie sind eben keine Strandbildungen, sondern genau so zusammengesetzt, wie die in größerer Entfernung vom Harze in ganz Norddeutschland vorhandenen gleichnamigen Gesteine, also Ablagerungen aus flacherem oder tieferem Wasser. Vereinzelte Stückchen Kieselschiefer, welche in der oberen Kreide am Sudmerberge vorkommen, können einesteils aus dem Rotliegenden stammen, andernteils gleichen sie nicht im geringsten dem Schutt, den heutzutage die Flüsse vom Harze hinunterspülen. Und kleine Bröckchen Kieselschiefer, welche sich in der Gegend von Gittelde im Miocän (der mittleren Stufe der Tertiärgebilde) finden, werden aus dem rheinischen Schiefergebirge stammen, da ihre Häufigkeit in der Richtung auf Kassel stetig zunimmt.
Abb. 17. Hirt.
(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)
Wie am Rande, so müssen sich auch auf dem unter den Wellen liegenden Gebirge selbst die mesozoischen Schichten (welche Tierreste enthalten, die den noch jetzt vorhandenen sich annähern, also Trias, Jura u. s. w.) nacheinander abgelagert haben. Diese mesozoische Decke aber mag in Bewegung gekommen und teilweise fortgespült sein, als der Harz, ohne vorerst noch aufzutauchen, sich zu heben begann. Auf diese Weise sind vielleicht die mesozoischen Gerölle in das „Hilskonglomerat“ des unteren und in das „Sudmerbergkonglomerat“ und das „Heimburggestein“ der oberen Kreide gekommen. Jedenfalls aber ist seine Decke ganz fortgespült und weggewaschen, als der Harz sich mählich aus der Flut erhob.
Die Gebirgsfaltung.
Dies geschah am Ende der Miocänzeit, zu derselben Zeit, als die Göttinger und Kasseler Berge, der Meißner, die Rhön und fast alle andern Gebirge emporstiegen und auftauchten. Infolge eines Druckes, der „tangential“, in der Richtung der kurzen Achse unserer Gebirgsellipse, also von Südsüdwest nach Nordnordost, wirkte, bauchte und wölbte sich der Harz allmählich auf, die Gesteinsschichten rissen und spalteten dabei senkrecht zur Druckrichtung, also parallel der langen Achse, und brachen in bajonettartig absetzenden Linien von den Vorlanden ab. Die Wirkung dieser Pressung ist verschieden: während die Schichten am Südrande nur eine Aufbauchung von etwa 20° aufweisen, ist im Norden die ehemalige Oberfläche der Kernschichten samt dem darauf gelagerten Zechstein u. s. w. ganz steil aufgerichtet, ja nach Westen sogar übergekippt. Und ebenso ist der massige Granit dem Nordrande näher als dem Südrande in die Höhe gepreßt. Vielleicht wirkte der Druck, der den Harz zum heutigen Gebirge umwandelte und zurecht schob, von Süden; wahrscheinlich war aber schon damals, was zur Erklärung ausreicht, die Erdoberfläche den Südrand entlang höher als im Norden.
Die Überkippung der bei der Zusammenschiebung der Schichten entstandenen Falten hatte auch den (inneren) Bruch derselben und das Hinüberschieben des einen Flügels über sein Liegendes zur Folge: die älteren übergeschobenen Schichten sind jüngeren Bildungen aufgelagert. Diese Überschiebungen, die also nur aus übergekippten Falten hervorgehen können, nennt man Faltenverwerfung. Sie ist besonders bei den sogenannten Ruscheln, schmalen Gesteinsklüften im Innern des Gebirges, die meist mit Gangthonschiefer ausgefüllt sind, klar zu ersehen; hie und da beträgt die Höhe der Verschiebung kaum ein Meter, andernorts aber (am Devonzuge) wenigstens mehrere hundert Meter.
Mit ihnen dürfen die vormals offenen Spalten nicht verwechselt werden; diese sind jünger, denn sie werden von den (innern) Klüften der Ruscheln in der Richtung abgelenkt.
Die Spaltenverwerfung umfaßt also ein zweites System von Störungslinien. In den „Spalten“, die sich mehrfach bis in die Vorlande verfolgen lassen, lagerte das einsickernde Wasser neben Quarz, Kalkspat und andern Gesteinen namentlich die wertvollen Erze ab und schuf sie dadurch zu „Erzgängen“ um; und wo der Hohlraum nicht ganz gefüllt ward, bildeten sich Quarz- und Erzdrusen mit ihren oft prachtvollen Krystallen.