Besiedelung des Harzes.

Die Ortschaften, welche bis zu dieser Zeit etwa in den Harzlanden entstanden waren, gehören drei verschiedenen Gruppen an. Die älteste umfaßt diejenigen, deren Namen auf —hausen und —heim (—um, —em), auf —leben und —stedt endigen, also auf eine Einzelsiedelung, auf das von den zugehörigen Hütten der Laten umgebene Haus eines seßhaften freien Mannes hinweisen, die zweite solche, deren Namen auf —ingen und —ungen endigen, Siedelungen einer ganzen Sippe. Auch die Orte mit bloßen Naturnamen, wie z. B. Goslar (Einöde am Gießbach), Steina (Siedelung an der Grenze, nämlich zwischen Sachsen und Thüringern), sowie die, welche auf —a, —see, —leite, —berg u. s. w. ausgehen, gehören zum größten Teil der frühesten Zeit an. Die dritte Gruppe bilden die Orte, welche sofort als „Dorf“ entstanden sind.

Die Volksmenge ward allmählich dichter, die unter dem Pfluge liegenden Ackerflächen genügten nicht mehr, und notgedrungen nahmen die Bewohner der Vorlande auch die öden Gebiete in Angriff, lichteten den Urwald mit Axt und Feuer, legten die Sumpfgegenden durch Gräben und Dämme trocken und machten den so dem Walde und dem Wasser abgewonnenen Boden durch den Pflug zu ertragsfähigem Lande.

Abb. 29. St. Hubertus-Kapelle am Heinberge.
(Nach einer Photographie von F. H. Bödeker in Hildesheim.)

Abb. 30. Romkerhaller Wasserfall.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)

Liegen die Orte, welche in dieser Zeit der „ausbauenden Kolonisation“ entstanden sind, auf ehemaligem Waldboden, so endigt ihr Name auf —loh, d. i. Wald (Braunlage = brauner Wald), auf —feld (Mansfeld u. s. w.), auf —hain und —hagen, —rode und —schwende; ist ihre Flur durch Entwässerung des Sumpfes gewonnen, auf —riet. Noch jetzt umzieht ein dichter Kranz solcher Ortschaften den Harz, die meisten aber sind längst wieder eingegangen, weil die Länderei die Arbeit nicht lohnte. Ganz besonders trifft dies die zahlreichen „Hagen“, d. i. auf Waldblößen angelegte Ortschaften mit eingefriedigter Feldmark, und die noch häufigeren Rodungen. Von den an der Endung —schwende (von suantjan, schwinden machen) kenntlichen Brandrodungen, die nur im Ostharze vorkommen, ist Molmerschwende die bekannteste.