Abb. 77. Rathaus in Quedlinburg.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Bei der Erbauung der Burg ist der natürliche Felsen benutzt. Besonders stark war die Hochburg, die man nur durch einen rundbogig ausgehauenen Felsengang, zu dem man auf einer hohen Steintreppe gelangt, betreten kann. Von den Gebäuden auf dem Felsenkamme haben sich nur unbedeutende Mauerreste erhalten: die Burg ist 1756 in rühmlichem Kampfe zu Grunde gegangen; 10 Tage verteidigte sich die schwache Besatzung von noch nicht 400 Mann gegen ein Franzosenheer von 6000 Mann, das 562 Bomben und andre Geschosse hineinwarf; da war die zerschossene Burg nicht mehr zu halten, die freiwilligen Harzschützen schlugen sich in die Wälder, und die zurückbleibenden Invaliden kapitulierten mit Ehren. Welch ein Erfolg! Ganz Paris illuminierte und sang unter Freudenschüssen ein Tedeum. Und eiligst steckte der Sieger, der General Vaubecourt, den wir von Klausthal her schon kennen, die Gebäude in Brand, ließ die Mauern von Lauterberger Bergleuten sprengen, und machte sich dann, auf die Sprengung der Felsen verzichtend, aus dem Staube, denn die Hannoveraner unter dem Herzog Ferdinand waren im Anmarsch.
Abb. 78. Quedlinburg.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Ein kurzer Gang durch den herrlichen Buchenwald, der hier die Höhen schmückt, führt uns nach der Einhornhöhle. Viel früher bekannt, als die größeren und durch schönere Tropfsteingebilde ausgezeichneten Höhlen bei Rübeland, hatte sie hohen Ruf als die Fundstätte eines wertvollen und fast unfehlbar wirkenden Heilmittels, des „Einhorns“ d. i. der verkalkten Knochen vorweltlicher Tiere. Heute haben diese Knochen als die Schriftzeichen der fernsten Zeit einen ungleich höheren Wert, sie erzählen uns, daß die weiten Hallen dieser Höhle einst von Gletscherbächen durchspült wurden, denn die Knochen sind durch Rollung im Wasser gleich den Flußkieseln gerundet, daß aber die vor der jüngeren Eiszeit trockene Höhle von Menschenfressern bewohnt war, denn die Markknochen, darunter auch die von Menschen, sind zerschlagen.