Abb. 92. Flammofen-Anlage auf Kupferkammer Spurhütte.
(Aus: Bilder aus dem Bergwerks- und Hüttenbetriebe der Mansfeld'schen Gewerkschaft, Verlag der
Kuhnt'schen Buchhandlung [E. Graefenhan] in Eisleben.)
Von ihren Quellflüssen entspringt die Kalte Bode unter dem Königsberge, mit der Ecker in demselben, höchst gelegenen Moore, und plätschert zwischen Königsberg und Erdbeerkopf einer- und Wurmberg und Barenberg anderseits der „Gegend der Elenden und Schurken“ zu.
Schierke.
Schierke (Abb. [70]), das seit 1888, dem Jahre seiner „Entdeckung“, sich mit fast fieberhafter Bauthätigkeit zu einem der besuchtesten und vornehmsten Badeorte aufgeschwungen hat, ist das einzige Dorf mit Brockencharakter (Abb. [69]). In gleicher Höhenlage mit der Stadt Klausthal, wird es eng von hohen, finsterbewaldeten Bergen eingeschlossen; wunderbare Granitfelsen, wie die regelmäßig geschichtete Mauseklippe, die „langen Felsennasen“ der magnetischen Schnarcher, zwei von Riesenhand roh erbaute 26 Meter hohe Türme, von denen sich Thal und Dorf prächtig übersehen lassen, die Schersthor- (das ist Thors Thor) Klippen, der Arensklint (d. i. Adlerklippe) (792 Meter) und die Feuersteinsklippen, ragen seitwärts empor, und Waldgrund und Wiese sind mit großen und kleinen Granitbrocken dicht übersät. Bei Elend, das dem 100 Meter höher gelegenen Schierke als Sommerfrische nachzukommen sucht — wir gelangen dorthin auf herrlichem, die rauschende Bode begleitenden Pfade — tritt diese aus dem Granitgebiete heraus und wird, wie um sich von dem Gefälle von 400 Meter zu erholen, ein stilles, harmloses Wiesenflüßchen. Es gibt im Harze keinen gleich großen landschaftlichen Gegensatz so unmittelbar nebeneinander.
Unterhalb des Hüttenortes Königshof, der eine Fortsetzung der Rotenhütte bildet, nimmt die Kalte die Warme Bode auf. Am Südende des Brockenfeldes, nördlich von der Achtermannshöhe entsprungen, drängt sie sich zwischen dieser und dem Wurmberg durch und schlägt über den 560 Meter hoch belegenen Flecken Braunlage (Abb. [71]), der als Sommerfrische zusehends aufblüht, und Tanne, dem Anfangspunkte der Zahnradbahn nach Blankenburg, einen halbkreisförmigen Bogen. Den 968 Meter hohen Wurmberg besteigen wir auf roher Steintreppe von Braunlage aus; die bewaldete Kuppe gestattet aber nur den Durchblick durch einige Schneisen.
Elbingerode. Hermannshöhle.
Von Königshof führt die Bahn nach der 467 Meter hoch zwischen Kornfeldern und großen Weideflächen gelegenen Stadt Elbingerode, in der am 20. März 1744 der französische Marschall von Belle-Isle vom Amtmann Meyer auf eigene Hand gefangen genommen wurde. Wir aber folgen dem Fußpfade, der uns über die vor einigen Jahren wieder bloßgelegte Königsburg, das ist die alte Jagdpfalz Bodfeld, auf der Kaiser Heinrich III. in den Armen eines Papstes starb, und an der Susenburg, einer vorgeschichtlichen Wallburg in der ersten der wunderlichen Krümmungen der Bode, vorüber nach dem Hüttenorte Rübeland (378 Meter) führt.
Von den drei berühmten Tropfsteinhöhlen, welche dem übrigens hübsch gelegenen Rübeland zahllose Fremde zuführen, war die Baumannshöhle schon um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts allgemein bekannt, dagegen ist die Hermannshöhle (Abb. [72]) erst 1866 entdeckt. Wenn auch jene durch die Höhe und Weite ihrer prächtig gewölbten Räume die Hermannshöhle übertrifft, so hat diese doch schönere und reinere Tropfsteingebilde. Wunderniedlich sind die schneeweißen Figürchen in ihrer Krystallkammer, hübsch auch die Blaue Grotte und andre Naturspiele.
Von Rübeland ersteigt die Zahnradbahn das auf einer baumlosen Hochebene, 447 Meter hoch, inmitten einer weiten Ackerflur belegene Dorf Hüttenrode. Nichts in der Umgebung, nur das rauhere Klima, das den Roggen erst im September reifen läßt, sagt uns, daß wir uns wirklich im Gebirge befinden.