Abb. 93. Otto-Schächte I und III.
(Aus: Gruben- und Hüttenanlagen der Mansfeld'schen Gewerkschaft, Verlag der Kuhnt'schen
Buchhandlung [E. Graefenhan] in Eisleben.)

Das Bodethal.

Um der Bode nach Altenbraak ungestört folgen zu können, holen wir zunächst auch die Rappbode heran. Sie entspringt am hohen Südrande des Gebirges, wendet sich aber nördlich auf das 535 Meter hoch gelegene Städtchen Benneckenstein, eine Station der Harzquerbahn, fällt durch Wald bis zu dem von Sommerfremden noch nicht entdeckten Trautenstein um 80 Meter und schlängelt sich, von rechts die Hassel aufnehmend, in einem lieblichen Thal dem Hauptflusse zu. An der Hassel liegen in einer Gegend, wo vom Gebirge wenig wahrzunehmen ist, der schon oberdeutsch redende Flecken Stiege (482 Meter) an hübschen Teichen und das Städtchen Hasselfelde, die Endstation der über Güntersberge herangeführten Selkebahn.

Abb. 94. Schrämarbeit.
(Aus: Bilder aus dem Bergwerks- und
Hüttenbetriebe der Mansfeld'schen Gewerkschaft,
Verlag der Kuhnt'schen Buchhandlung [E. Graefenhan]
in Eisleben.)

Felsen wie bei Rübeland treten im Bodethal zunächst nicht wieder auf. Ohne starkes Gefälle (1 : 300) rauscht der breite Fluß, von einem Wiesensaum friedlich eingefaßt, zwischen den mächtigen Höhen dahin, an denen das heitere Buchengrün mehr und mehr das Fichtendunkel verdrängt. Zwischen der Mündung der Rappbode und der Luppbode in der Gegend von Wendefurt und Altenbraak häufen sich seine Windungen in so wunderbarer Weise, daß er oft in sich selbst zurückzukehren scheint, ja daß man einmal den Fluß an sechs verschiedenen Stellen erblickt.

Von Treseburg (Abb. [73]) ab, wo die Bode in dem schluchtenartigen Thal der „Engen Wege“, dem nur durch bedeutende Felsensprengungen ein schmaler Pfad hat abgerungen werden können, mit starkem Gefälle (1 : 90) das Granitgebiet des Rambergs zu durchbrechen unternimmt, steigert sich die herzerquickende Schönheit des Thales von Schritt zu Schritt. Die Klippen, welche aus den Buchenhängen hervortreten oder streckenweise ganz mit ihnen wechseln, werden schroffer und nehmen abenteuerlichere Gestalten an, bis sich von den Gewitterklippen abwärts ihr Charakter zur Wildheit steigert. Aber um die starren Glieder schlägt überall sänftigend der üppige Laubwald in allen Schattierungen sein prächtiges Gewand. Welche entzückende Mannigfaltigkeit in buntem Wechsel! In den „gemischten Bestand“ der Fichte und Buche, mit dem der Harz auch sonst seine Thalhänge schmückt, treten hier auch noch Ahorn und Esche, Linde und Ulme, die Eiche mit ihrem dunkelglänzenden Blatte und die flimmernde, weißborkige Birke ein, ja selbst die knorplige Eibe mit ihrem schwarzgrünen, schweren Nadelbehange, gleichsam die Vertreterin einer aussterbenden Generation, beteiligt sich an der festlichen Ausschmückung des Thales, und von den höchsten Felsen schaut die Kiefer, mit ihrem hellbraunen Stamme eine gar ausdrucksvolle Zierde, jählings in die Tiefe. Was aber all den Felsgebilden und der bestrickenden Üppigkeit des Baumwuchses erst das rechte Leben gibt, das ist das tosende, schäumende Wasser des eng eingeklemmten, leidenschaftlich aufgeregten Flusses, der wie wütend zwischen den Felstrümmern hindurchrast, um brausend in den tiefen, wirbelnden „Kessel“ zu stürzen (Abb. [74]).