Der zweite, 1811 geprägte Thaler (Abb. [97]) zeigt den Kopf des lustigen Hieronymus, von seines Bruders Gnaden Königs von Westfalen. Der dritte (Abb. [98]) ist bereits in Berlin i. J. 1862 geprägt, mit dem beim Übergange der Verwaltung an die Gewerkschaft die besondere Vermünzung des im Mansfeldischen gewonnenen Silbers aufhört.
Abb. 109. Ilfeld, vom Herzberg gesehen.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Eisleben.
Abb. 110. Ruine Hohnstein.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Unser letzter Besuch an diesem Harzrande gilt der Lutherstadt Eisleben. (Abb. [99] und [100]) Nach den großen verheerenden Feuersbrünsten, namentlich im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert, hat sie trotz ihres hohen Alters kein altertümliches Gepräge. Unser Rundgang darf sich deshalb im wesentlichen auf die Lutherstätten beschränken. Das Lutherhaus (Abb. [101]) enthält im Erdgeschoß, das bei einem Brande im Jahre 1689 unversehrt blieb, das Geburtszimmer des großen Bergmannssohnes und in den Sälen des 1694 im Stil der Renaissance erneuerten Oberstocks eine Art Luthermuseum. — Um mit seinem Rate die zwischen den Grafen, namentlich inbetreff des Bergbaus schwebenden Streitigkeiten beseitigen zu helfen, war Luther im Winter 1545/46 dreimal in Eisleben; „abgelebt und müde“ kam er am 28. Januar, von den Grafen und einem Gefolge von 113 „Pferden“ von der Grenze ab ehrenvoll geleitet, zum drittenmal hier an und stieg bei dem ihm befreundeten Stadtschreiber Dr. Drachstedt ab. In Gemeinschaft mit den beiden andern gewählten Schiedsrichtern, dem Fürsten Wolfgang von Anhalt und dem Grafen Heinrich von Schwarzburg, gelang ihm zu seiner großen Freude der völlige Ausgleich; und obwohl schwach und hinfällig, unterschrieb er am 17. Februar 1546 auch noch den letzten, abschließenden Vertrag. Doch bald darauf steigerte sich die Krankheit; das Einhorn, das Graf Albrecht ihm schabte, und das stärkende Wasser, mit dem die Gräfin ihm den Puls rieb, blieben wirkungslos, und in der dritten Morgenstunde des 18. Februar ging der große Reformator zur ewigen Ruhe ein. Das Sterbezimmer ist die kleine, trauliche straßenwärts liegende Kammer im oberen Stock des wohl erhaltenen gotischen Hauses (Abb. [102]). In der gegenüberliegenden Andreaskirche hat Luther seine letzten vier Predigten gehalten, die letzte zwei Tage vor seinem Tode ( [99]).
Diese mit ihren aus dem dreizehnten Jahrhundert stammenden Hausmannstürmen stolz aufragende Hauptkirche, als deren Pfarrer 1609–11 der in Ballenstedt geborene Johann Arnd sein „Wahres Christentum“ schrieb, gibt auch dem ansteigenden Marktplatze, auf den von der Rathausecke der gekrönte Kopf des hier gewählten Königs Hermann von Salm, das Wahrzeichen der Stadt, herunterblickt, den wirkungsvollen Hintergrund. Auf der Mitte des Platzes ist am 400. Geburtstage Luthers das Bronzestandbild (Abb. [103]) des Mannes enthüllt, in dessen Hand nach den Worten des Katholiken Döllinger „Sinn und Geist der Deutschen wie die Leier in der Hand des Künstlers“ waren. In der Linken die Bibel, schickt sich der Reformator an, die Bannbulle ins Feuer zu werfen; die Reliefs am Sockel zeigen ihn in der Disputation mit Dr. Eck und der edlen Musika pflegend im Kreise seiner Familie.