Mit dem ‚Mannesfeld‘, welches das Stift Fulda im Jahre 974 tauschweise an Magdeburg abtrat, ist das Dorf Kloster-Mansfeld gemeint, denn die nach dieser „Rodung des Mano“ benannte Burg ist erst im elften Jahrhundert erbaut, und die Stadt (Thal-) Mansfeld erst unter dem Schutze der Burg an deren Fuße entstanden.

In diesem Städtchen, das vor 100 Jahren erst 1000 Einwohner zählte, hat Luther seine Kinderjahre verlebt. Das Haus, das sein Vater im Jahre 1484 erwarb und 1530 auf seinen Sohn Jakob vererbte, ist nur noch teilweise vorhanden: über der vermauerten rundbogigen Hofpforte aus rotem Sandstein findet sich noch erkennbar das alte Luthersche Wappen, Rosen und Armbrust, mit den Buchstaben J. L. 1530.

Nicht viel besser ist es dem Grafenschlosse ergangen, das 65 Meter tief auf die an den Seitenhängen eines Thales sich hinziehende Stadt hinabsieht. Der erste, der sich nach ihm nennt und auch wohl sein Erbauer sein wird, ist Kaiser Heinrichs V. Feldherr Hoyer, der 1115 am Welfesholze fiel. Mit dem Tode des Grafen Burchard gingen 1230 Burg und Namen auf seinen Schwiegersohn, den Edelherrn Burchard von Querfurt über. Zu Luthers Zeit spalteten sich seine Nachkommen in drei Linien mit sieben Zweigen, aber ein und einhalb Jahrhunderte später war nur noch die in den Reichsfürstenstand erhobene Linie Bornstedt übrig, und auch diese erlosch, nachdem bereits 1710 der Eislebensche oder lutherische Zweig verdorrt war, am 31. März 1780 mit dem in Österreich lebenden Fürsten Joseph Wenzel von Fondi. Nun fielen die Besitzungen bis auf einige Allodialgüter, welche auf Joseph Wenzels Schwiegersohn, den Fürsten Coloredo und seitdem „Grafen von Mansfeld“, vererbten, zu ⅗ an Kursachsen und zu ⅖ an Preußen (Magdeburg).

Abb. 108. Ellrich.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)

Der meistens nur „Ernst von Mansfeld“ genannte Held des dreißigjährigen Krieges, den der Tod am 26. November 1626 im bosnischen Dörfchen Wrakowicz ereilte, war der Sohn des Fürsten Peter Ernst I. aus dessen morganatischer Ehe mit der schönen Anna von Eicken.

Im Anfange des sechzehnten Jahrhunderts wurde die Burg durch Hinzufügung eines dritten Schlosses, des „Hinterortes“, bedeutend erweitert und in ihrem ganzen Umfange stärker befestigt. Aber gerade das sollte ihr den Untergang bringen: da sie im dreißigjährigen Kriege, statt das Land schützen zu können, die Heere aller Parteien angelockt hatte und bald erobert wurde, bald wieder verloren ging, so verfügte der Landesherr 1674 unter Zustimmung der Grafen ihre Zerstörung; 400 Mann arbeiteten daran, aber da Kalk und Gestein untrennbar verkittet waren, mußte ihnen noch ein Trupp von 30 Bergleuten mit Bohrer und Pulver zu Hilfe kommen.

Aber noch immer stehen einzelne Reste der Mauer stolz und fest, als wären sie mit dem natürlichen Fels, der sie trägt, zu einem Stück verwachsen. Ein breiter, tief in den Fels gehauener Graben, der die Burg von Nordost bis Nordwest umgibt, zeugt von den ungeheuren Anstrengungen, die einst auf die Befestigung des Platzes verwandt sind. Ein einziges, ehemals noch durch Außenwerke gedecktes Thor führt auf dieser Seite in den noch jetzt von festen, zum Teil doppelten Mauern und Kasematten umschlossenen öden Burghof, auf dem uns von allen Seiten in romantisch-malerischen Gestaltungen die alten Wohnsitze entgegentreten. Vom Vorderort hat sich fast nichts als ein starker Wallturm, die Gewölbe der Münze und ein altes Wachthaus auf den Umfassungsmauern erhalten. Im Mittelort, in dem sich neben der würdig restaurierten gotischen Kirche das jetzige Herrenhaus inmitten hübscher Gartenanlagen befindet, fallen die Umfassungsmauern eines stattlichen Gebäudes, in dem hohe Fichten wurzeln, besonders ins Auge: es ist der 1532 erbaute „Goldene Saal“, der gemeinschaftliche Prunksaal der Häuser Mittel- und Vorderort; und im Anschauen der über den Nebenpforten eines großen Turmgebäudes angebrachten Steinbilder, eines auf dem Fasse sitzenden Bacchus und zweier Männer, von denen der eine mit seiner leeren Weinkanne nach dem den vollen Humpen leerenden Kumpan schlägt — Umschrift: Quid est? bapsi! — Darstellungen, welche den schwelgerischen Humor der Erbauer wiedergeben, müssen wir des strafenden Wortes gedenken, das D. Luther seinen lieben alten Landesherren zurief, da ihm der Wein auf der Treppe entgegenrann: „Die Herren düngen gut, es wird brav Gras danach wachsen.“ Auf und in den völlig zusammengebrochenen Mauern des Hinterorts, dessen ausgedehnte Gebäude einst als die schönsten gepriesen wurden, wuchern schon lange Bäume und Gesträuch.

Die Grafen von Mansfeld hatten sich den heil. Georg zum Patron erkoren, den vom wütenden Volke am 24. Dezember 361 beim Regierungsantritt des Kaisers Julian ermordeten Bischof von Alexandria, der sich gegen das Ende der Kreuzzüge in den ritterlichen Drachentöter, den Schutzpatron der Waffenübungen und des englischen Ordens vom blauen Kniebande verwandelte. Gleich den ungarischen wurden die mansfeldischen Georgsthaler schon im dreißigjährigen Kriege als Amulett gegen Hieb, Schuß und Stoß getragen. Der abgebildete (Abb. [96]), i. J. 1620 geprägte Thaler der drei vorderortschen Grafen Volrat († 1627), Wolfgang I. († 1638) und Johann Georg II. († 1647) zeigt den Heiligen im Harnisch auf rechts schreitendem Turnierpferde, wie er mit der Lanze den Kopf des Lindwurms durchbohrt. Die Inschrift Ora pro (nobis) auf der Decke ist nicht zu erkennen. Die Umschrift ist zu lesen: Volrat, Wolfgang, Johann Georg, „patroni, comites et domini in Mansfeld, nobiles domini in Heldrungen“. Der quadrierte Wappenschild enthält im ersten und vierten, wieder viergeteilten Felde die sechs Querstreifen von Querfurt und die sechs, in zwei Reihen gestellten Wecken (oder Gerstenkörner) von Mansfeld, im zweiten den Adler von Arnstein und im dritten den Löwen von Heldrungen mit doppeltem Zagel. Als Helmzier dienen die acht mansfeldischen Fähnchen und der Arnsteiner Adler.