Abb. 106. Denkmal Ernst VII., des letzten Grafen von Hohnstein, im Kloster Walkenried.
(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)
Abb. 107. Kreuzgang im Kloster Walkenried.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Die „gültigen“ Schieferlager sind nur sieben bis dreizehn Centimeter mächtig, doch muß das Nebengestein, damit der Bergmann Platz findet, bis zur Gesamthöhe von einem halben Meter mit weggehauen werden. Der Häuer liegt bei der Arbeit auf der linken Seite und schützt sich gegen das kalte und nasse Gestein durch ein angeschnalltes Beinbrett und ein lose liegendes Achselbrett. Die durch Schrämen (Abb. [94]) und Sprengen gewonnenen Schiefer werden durch die Schlepper, 14- bis 19jährige Burschen, in Hunden (Förderwagen) an die Förderstrecke gezogen. Der Schlepper schnallt sich ein mit acht Centimeter hohen Stollen (Langeisen) versehenes Beinbrett vorn auf den linken Oberschenkel, nimmt das Achselbrett zur Hand und legt sich vor den Hund. Dann richtet er sich soweit auf, daß er das Knöchelgelenk des rechten Fußes mit einem Riemen an den Hund knebeln kann, legt sich, wenn dies geschehen ist, mit dem linken Oberarm auf das Achselbrett, stützt sich mit der rechten Hand auf das Liegende (den Boden) und hakt mit den Stollen des Beinbretts auf dieses auf. Nach dieser Vorbereitung kann die Fortbewegung des Hundes beginnen. Der Schlepper zieht das freie linke Bein an, stemmt die Fußsohle desselben, um einen festen Halt zu gewinnen, gegen das Dach und streckt sich, das Achselbrett mit der linken Hand weiterschiebend, gerade; dabei zieht das gefesselte rechte Bein den Hund selbstverständlich ein Stückchen mit fort.
Enthielten die Mansfelder Schiefer nur Kupfer, so hätte der Bergbau längst eingestellt werden müssen. Denn nachdem Spanien, Colorado, die Gegend am Oberen See und andere Länder Amerikas in die erste Reihe der Kupferproduzenten getreten sind, kommt jetzt jährlich mehr als das Vierfache der früheren Jahresproduktion in den Handel. Nur der hohe Silbergehalt, ½ Pfd. Silber im Zentner Kupfer, sichert dem Mansfelder Bergbau trotz der Entwertung des Silbers um die Hälfte seinen Fortbestand. Aber die Gewerkschaft hat noch mit andern Schwierigkeiten zu kämpfen. Bei der Abteufung (Abb. [95]) neuer Schächte ist man mehrfach auf weit verzweigte Schlotten gestoßen, von Gips eingeschlossene Hohlräume, welche durch Auflösung des ursprünglich hier abgelagert gewesenen Steinsalzes entstanden und jetzt mit Wasser angefüllt sind. Die Bewältigung dieser Wassermassen ist aber sehr schwierig und kostspielig; um dem Übel gründlich beizukommen, hat man darum in der Annahme einer unterirdischen Verbindung den Salzigen See trocken gelegt.
Welche Bedeutung das Wohl und Gedeihen des Mansfelder Bergbaues auch für den Staat hat, folgt schon daraus, daß er 80000 Personen — Berg- und Hüttenleuten mit deren Familien — ihr ausreichendes Brot gewährt.
Mansfeld.