Abb. 104. Sachsa.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)
Abb. 105. Kloster Walkenried.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Harzluft und Waldesduft zu atmen und uns an friedlicher Stille zu erquicken, ist uns nur eine kurze Strecke im Wipperthale beschieden: turmhohe, rauchwirbelnde Schornsteine, mächtige schwarze Schlackenhalden, das Thal beengend und täglich noch wachsend, Schächte und Hütten mit ihrem geschäftigen Treiben, mit allem Geklapper und Gerassel der Maschinen melden uns wuchtig, daß wir hier bei Leimbach an einer der Hauptarbeitsstätten der heiligen Barbara angekommen sind, der neuen Patronin des Bergbaues, die mit ihrem Pulver und Lärm die alten ruhigeren Bergheiligen Sankt Joachim und Sankt Anna vom Stuhle gestoßen hat. Bis Hettstedt und darüber hinaus reiht sich, miteinander wechselnd, Schacht an Schacht und Hütte an Hütte. Hier im Freiesleben-, dort im Eduardschacht und in den Lichtlöchern des 31 Kilometer langen Schlüsselstollen werden die Kupferminern gewonnen, hier in der Eckard-, dort in der Kupferkammerhütte gebrannt und geschmolzen, hier in der Katharinenhütte wird Silber und Kupfer aus dem Rohprodukt geschieden, dort auf der Saigerhütte die Raffinierkrätze zugute gemacht (Abb. [92] u. [93]). Und in all das Getriebe schaut verwundert die stille Ruine der alten Burg Örner vom Waldhügel hernieder.
Mansfelder Bergbau.
Bei Hettstedt, dem östlichsten Punkte des Harzes, entlassen wir die Wipper aus unserm Geleit und wenden uns der mit Leimbach fast verbundenen Stadt Mansfeld und ihren Erinnerungen an D. Luther zu.
Doch zuvor statten wir schon an dieser Stell „seines Vaters lieben Schlägelgesellen“ einen kurzen Besuch ab.
Nach alten Nachrichten sollen zwei Bauern, Nappian und Naucke, am 12. Juni 1199 beim damaligen Dorf Hettstedt den ersten Kupferschiefer gewonnen haben, und die Grafen im Jahre 1215 vom Kaiser Friedrich II. mit dem Bergregal belehnt worden sein. Wenn nun auch jene Angabe richtig sein und die Ortschaft Kupferberg bei Hettstedt 1199 entstanden sein mag, so haben doch die Grafen von Mansfeld schon lange vor dieser Zeit Bergbau betrieben. 1364 gab ihnen Kaiser Karl IV. diesen auch innerhalb einer über die Grafschaft hinausreichenden Grenze zu Lehen. Kaiser Friedrich III. aber verwies sie damit 1480 an die Herzöge von Sachsen. Im vierzehnten und fünfzehnten und auch noch im Anfange des sechzehnten Jahrhunderts gelangte der Bergbau zu großer Blüte, aber sein Verfall bereitete sich schon vor: die stets um Geld verlegenen Grafen nahmen Vorschüsse von den Kupferhändlern, verpfändeten Hütten und gaben andre zu Lehen. Die Teilung der damals vorhandenen 95 Hütten („Feuer“) unter die sechs Grafenlinien im Jahren 1536 konnte den Vermögensverfall nicht aufhalten. Als die Schuldenlast der Grafen die für jene Zeit ungeheure Summe von zweiundeinhalb Millionen Gulden erreichte, nahmen Sachsen und Magdeburg als Lehnsherren 1570 Bergbau und drei Fünftel der Grafschaft in Sequester; damit waren die Grafen trotz ihres Protestes mediatisiert. Während des dreißigjährigen Krieges und noch mehrere Jahrzehnte nachher beschränkte man sich darauf, alte Halden und offene Schächte auszuklauben. Erst durch die „Freilassung“ im Jahre 1671, die jedermann gestattete, Bergwerke zu muten und zu bauen, kam der Bergbau wieder in geordneten Betrieb. Die fünf Gewerkschaften, welche sich nun nach und nach bildeten, haben sich im Jahre 1852 zu einer einzigen, der „Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft“ vereinigt, die ihren Sitz in Eisleben hat.
Es ist ein einziges muldenförmiges Kupferschieferflöz, auf dem die Mansfelder Gruben bauen. Das Erz kommt in diesem in der Regel als „Speise“ vor, d. h. in sehr feinen Stäubchen eingesprengt, die auf dem Querbruch metallisch schimmern. Doch treten neben dieser Speise, die goldgelb, blau, rot und grau sein kann, auch feine Schnüre von Buntkupfererz und Kupferglas auf, wie in den Sanderzen bei Sangerhausen dicht zusammengedrängte Kupferkiesstäubchen als „gelbe Tresse“.