Verbreitung des Karbon.
Die nicht devonischen Schichten des Oberharzes gehören dem Karbon (der Kohlenformation) an, für den der englische Lokalname Kulm hier zuerst in Anwendung gebracht ist. Seine unteren Schichten bestehen aus Kiesel- und Posidonienschiefern, seine oberen aus Grauwacke.
Die Kieselschiefer, meist grau oder schwärzlich, vom Messer nicht ritzbar, S-förmig gestaucht und gefaltet, finden sich in geringer Mächtigkeit in der Gegend von Lautenthal und im mehrgenannten Diabaszuge, vielfach im Wechsellager mit hellem Wetzschiefer, schwarzem Alaunschiefer und (z. B. am Lerbacher Hüttenteiche) bunten, rotgrünen Adinolen (Bandjaspis). Die Charakter-Versteinerung Posidonia Becheri (Bechers Poseidon-Klaffmuschel), die den mit den Kieselschiefern unmittelbar verknüpften, doch auch — in zwei breiten Zonen zwischen Schulenberg und Laubhütte — unabhängig auftretenden eigentlichen „Posidonienschiefern“ eignet, findet sich nicht selten auch in jenen. Vereinzelt (z. B. zwischen Hübichenstein und Iberger Kaffeehaus) sind schwärzlich-graue Kalke eingelagert, die gleichfalls dem unteren Kulm angehören.
Abb. 11. Wildemannthaler von 1665.
(Oberharzer Museum.)
Dagegen nehmen die Kulm-Grauwacken, die jüngsten Schichten des Kerngebirges, am Tage große Flächen ein. Im frischen Zustande blaugrau, durch Verwitterung rostbraun, auch rot, besteht dieses meist in dicken Bänken abgelagerte Gestein im wesentlichen aus Sandkörnern, die nebst Bruchstücken von Gangquarz, Kieselschiefer und Thonschiefer sowie Feldspat- und Kalkspatkörnern in ein thonig-sandiges Bindemittel gebettet sind. In der Gegend von Grund haben diese Bestandteile, unter denen sich Granit- und Porphyrgerölle nichtharzischen Ursprungs finden, oft Faustgröße. Die pflanzlichen Versteinerungen, unter denen neben undeutlichen kohligen Blattabdrücken namentlich die Calamiten (baumartige Schachtelhalme) vertreten sind, kommen nur sporadisch, von tierischen nur die Posidonienmuschel ganz vereinzelt vor. Als Baustein — namentlich bei Klausthal — schön zu bearbeiten, liefert die Grauwacke in den großartigen Steinbrüchen bei Wildemann treffliche Pflastersteine.
Abb. 12. Ausbeutethaler von 1685.
(Oberharzer Museum.)