Rhodope.
Ich will nicht weiter fragen, denn ich weiß,
Daß du's nicht wieder tust. Nie fiel ein Mädchen
So sanft, wie du, und nie erschrak es so!
Lesbia.
Ja, alle Glieder waren hin!
Hero.
Ich wäre
Gar nicht gefallen, denn ein stärkrer Zweig
War nah genug, der aber schaukelte
Ein Nest mit jungen Vögeln, und ich wollte
Ihn nicht betreten, um die zarte Brut,
Die schon die federlosen Flügel regte,
Nicht aufzuscheuchen!
Lesbia.
Dieses also war's?
Sie flogen aber dennoch auf, du griffst
Zuletzt gewiß noch zu, um dich zu halten!
Rhodope.
Neckt euch, solang ihr wollt, dies ist der Tag,
An dem für euch das enge Haus sich öffnet,
Nun treibt es, wie ihr mögt, und seht euch satt.
Hero.
Und du?
Rhodope. Schaut nicht auf mich! Was euch erlaubt,
Ist mir nur nicht verboten, heute kann
Ich euch nicht Muster und nicht Vorbild sein.
Hero.
So willst du abermals das Fest nicht sehn?
Rhodope.
Um dich nicht in der Fröhlichkeit zu stören!—
Bei uns ist das nicht Sitte, und mir wär's,
Als ob ich essen sollte ohne Hunger
Und trinken ohne Durst. Auch scheint es mir,
Daß unsre Weise besser ist, als eure,
Denn niemals kommt ihr ohne Schauder heim
Von diesen Festen, die euch erst so locken,
Und das ist mir die Liebste, die den tiefsten
Empfindet und zum zweitenmal nicht geht.
Das soll für euch kein Tadel sein, o nein,
Es freut mich nur, daß meine Lesbia,
Die unter euch erwuchs, so fühlt, wie ich!
Lesbia.
Wirst du mir heut vergeben—