Rhodope.
Was denn nur?
Was soll ich dir vergeben? Willst du mit?
Oh, hätt' ich dieses Lob zurück! Sie schämt
Sich jetzt, die Tochter ihres Volks zu sein,
Und hat's nicht Ursach'. Bin ich selbst was andres?
Geh, geh und sag mir, wer der Sieger war!
Hero.
Gewiß wird auch der junge Gyges kämpfen,
Der diese schöne Stimme hat.
Rhodope.
Du kennst
Schon seine Stimme?
Hero.
Ja, doch weiter nichts!
Heut werden wir ihn sehn, und glaube mir,
Auch sie geht nur, weil er erscheint!
Lesbia.
Ich kann
Noch immer bleiben und dich Lügen strafen!
Hero.
Du tust es nicht!
Kandaules (tritt rasch ein). Rhodope, sei gegrüßt!—
Doch—Weißt du, wer ich bin? Ein Hermenwächter,
Ein Grenzpfahlkönig, der die Ellen freilich,
Doch nie die Schwerter mißt und schuld dran ist,
Daß die zwölf Taten des Herakles nicht
Durch vierundzwanzig andre, größere
Längst überboten sind. Wenn du's nicht glaubst,
So frage nur den grimmigen Alkäos,
Du kennst ihn nicht? Ich auch seit heute erst!
Und weißt du, wie ich Menschen glücklich mache?
Ich spreche: Jüngling komm, da ist ein Kern,
Den stecke in die Erde und begieße
Den Fleck mit Wasser, tu es Tag für Tag
Und sei gewiß, daß du mit weißen Haaren
Für deine Mühe Kirschen essen wirst,
Ob süße oder saure, siehst du dann!
Als Währsmann stelle ich den Agron dir,
Den würd'gen Freund des würdigen Alkäos,
Ihm völlig gleich, nur nicht so weiß im Bart.
Rhodope.
Du bist vergnügt!
Kandaules.
Wie sollte ich's nicht sein?
Wenn auch Alkäos mir in offnem Aufstand
Entgegentreten will, sobald ich's wage,
Vor ihm so zu erscheinen, wie vor dir,
Ich meine mit dem neuen Diadem
Agron wird mich beschützen, und ich soll
Zum Dank mich nur verpflichten, du wirst staunen,
Wie mild er's mit mir vorhat, nie den Putz
Mehr zu verändern und ein Schwert zu tragen,
Das meine ganze Kraft durch's Ziehn erschöpft.