Kandaules.
Ein Edelstein vielleicht? Ein Diamant?
Der da?

Rhodope. Du hast ihn? Du?

Wer sonst? Du siehst!

Rhodope.
Dank, ew'gen Dank, Ihr Götter, und vergebt
Den Zweifel eines Herzens, das sich schuldlos
Zertreten wähnte! Oh, Ihr seid uns nah,
Wie Licht und Luft!

Kandaules. Erinnyen,
hinab!—
Da!

Rhodope. In den Tempelschatz mit ihm! Ich bin
Den Gnädigen ein reiches Opfer schuldig,
Vor allem ihr, der Allverknüpferin!
Aus gold'nen Körben sollen ihre Tauben
Von heute an die weichsten Körner picken,
Aus Marmorbecken löschen ihren Durst!
Und du, Kandaules, du—

Kandaules.
Der Jüngling küßt,
Wenn er des Mädchens denkt, die eigne Hand,
Die sie ihm drückte, als sie von ihm schied,
Der Mann braucht etwas mehr.

Rhodope.
O Tag des Glücks!
Ist dir dein Weib so teuer? Nun, da bitt ich
Dir stilles Unrecht ab. Ich sorgte immer,
Es sei mehr Stolz auf den Besitz, als Liebe,
In der Empfindung, die dich an mich fesselt,
Und deine Neigung brauche schon den Neid
Der andern, um nicht völlig zu erlöschen!
Nun fürcht ich das nicht mehr.

Kandaules.
Und niemals sollst
Du's wieder fürchten! Weiß ich doch, was dir
Das Herz vergiftet hat. Du glaubtest dich
Verkürzt durch Gyges! Und es ist gewiß,
Daß ich gar manchen Tag mit ihm verbrachte,
Und fast ein Jäger ward, weil er es ist.
Zwar griff das nicht in deine Rechte ein,
Denn, was den Mann mit einem Mann verbindet,
Ist für das Weib nicht da, er braucht's bei ihr
Sowenig, wie den Schlachtmut, wenn er küßt.
Doch, muß ich deine Furcht auch töricht nennen:
Ich spar kein Mittel, um dich rasch zu heilen,
So höre denn: mein Günstling Gyges geht!

Rhodope.
Wie?