Rhodope.
Sag Karna, daß er jetzt zum König sende,
Ich laß ihn bitten auf ein einzig Wort.

Lesbia (ab).

Rhodope.
Nun, Ihr dort unten, die Ihr keinen Frevel
Verhindert, aber einen jeden rächt,
Herauf, herauf, und hütet diese Schwelle,
Ein blutig Opfer ist Euch hier gewiß.

Gyges (der währenddem eingetreten ist).
Du hast mich rufen lassen, Königin!

Rhodope.
Du weißt warum!—Du weißt es, denn du zitterst,
Kannst du es leugnen? Deine Farbe wechselt,
Und hörbar klopft das Herz in deiner Brust.

Gyges.
Hat nicht dein Gatte auch vor dir gezittert,
Hat er die Farbe nicht, wie ich, gewechselt,
Und hat sein Herz nicht ganz, wie meins, geklopft?
Erinnre dich der Stunde, wo er dir
Zum ersten Mal ins Antlitz schauen durfte,
Und frag dich, ob er mir nicht völlig glich.

Rhodope.
Dir?!

Gyges. Königin, gewiß. Ihm schwindelte,
Er stand geblendet da, und als ihm die
Besinnung wiederkehrte, riß er stumm
Die Krone sich vom Haupt, wie einen Kranz,
Der plötzlich welk geworden ist im Haar,
Und warf sie mit Verachtung hinter sich.

Rhodope.
Er! ha!

Gyges. Du lächeltest ihn freundlich an,
Als du es sahst, da kam ihm so viel Mut,
Sich dir um einen halben Schritt zu nähern.
Doch seine Kniee wankten unter ihm,
Sie wollten einen edlern Dienst verrichten,
Und eh' du's ahntest, lag er so vor dir!