(Er kniet währenddem nieder.),
Rhodope.
Du wagst?
Gyges. Was denn? Es war ja so. Du
strecktest
Ihm unwillkürlich, halb um ihm zu wehren,
Halb auch vielleicht, um ihn emporzuziehn,
Die Hand entgegen, die er scheu und schüchtern
Ergriff, und die sich doch zur Fingerspitze
Verkürzte, ehe er sie noch berührt.
Tatst du das nicht? Oh, sprich!
Rhodope.
Auf! Auf mit dir!
Gyges (sich wieder erhebend).
Ihn aber traf es, wie ein Wetterschlag.
Ihm war zumut, als hätt' er sich bisher,
Wie ein ereb'scher Schatten, kalt und nüchtern,
Nur unter die Lebendigen verirrt
Und jetzt erst Blut bekommen, wie sie selbst;
Als hätte er ihr Lachen und ihr Weinen,
Ihr Jubeln, Seufzen, ja ihr Atemholen,
Nur nachgeäfft und nie geahnt, warum
Die Menschenbrust sich ewig hebt und senkt.
Da brannt' er vor Verlangen, auch zu leben,
Und sog dein süßes Bild mit Augen ein,
Die, sonst gleichgültig alle Dinge spiegelnd
Und wieder wechselnd, wie ein stilles Wasser,
Der Wimper jetzt ihr Zucken kaum verziehn.
So glomm er, deine Schönheit in sich trinkend,
Allmählich vor dir auf in düstrem Feuer,
Wie deine weiße Hand, wenn du sie abends
Vor eine Flamme hältst, du aber fuhrst
Vor deinem roten Widerschein zurück.
Rhodope.
Nicht weiter!
Gyges. Oh, nicht weiter!
Weiß ich mehr?
Was er empfand, das kann ich nachempfinden
Und ganz so voll und glühend, wie er selbst.
Doch, wie er warb, und wie er dich gewann,
Ist sein Geheimnis; einer nur kann's haben,
Und dieser Einzige ist er, nicht ich.
Nun weißt du denn, warum ich zitterte:
Ein Wonneschauer war's, der mich ergriff,
Ein heil'ges Grausen, das mich schüttelte,
Als ich so plötzlich vor dir stand und sah,
Daß Aphrodite eine Schwester hat;
So sag mir jetzt, wozu beriefst du mich!
Rhodope.
Zum Tode!—
Gyges. Wie?
Rhodope.
Hast du ihn nicht verdient?