Rhodope.
Sein Wort ist edel. Wehe ihm und mir,
Daß es nicht frommt!
Gyges.
Wenn den kastal'schen Quell
Aus dem die Lieblinge der Götter trinken,
Und der in einem Farbenspiel erglänzt,
Als wär' er mit zerpflückten Regenbogen
Von Iris' eignen Händen überstreut;
Wenn diesen Quell, der dem Parnaß entspringt,
Ein Steinwurf trübt, so fängt er an, zu tosen
Und steigt in wilden Wirbeln himmelan.
Dann singt auf Erden keine Nachtigall
Und keine Lerche mehr, und in der Höhe
Verstummt sogar der Musen heil'ger Chor,
Und eher kehrt die Harmonie nicht wieder,
Bis ein ergrimmter Strom den frechen Schleudrer
Hinunter knirscht in seinen dunklen Schoß:
So ist's mit einer Frauenseele auch!
Kandaules.
Gyges, ich bin kein Schurke.
Gyges.
Herr, du bist
Rhodopens Gatte, bist ihr Schutz und Schirm
Und mußt ihr Rächer sein.
Kandaules.
Ich bin vor allem
Ein Mann, der für den Frevel, den er selbst
Beging, nicht einen andern sterben läßt.
Gyges.
König, was rettest du?
Kandaules.
Mich selbst!
Gyges.
Er
rast,
Hör nicht auf ihn!
Rhodope.
Mein Herr und mein Gemahl,
Was sprachst du da? Ich kann's dir selbst nicht glauben
Wenn du's nicht wiederholst!
Kandaules.
Sprich du für mich!
Du sollst mich nicht entschuldigen, du sollst
Nur sagen, wie es kam.