Rhodope.
So ist's? Ihr Götter,
Lacht über mich!—Ich habe schon geklagt!
Kandaules.
Sprich, Gyges! (Ab.)
Gyges. Königin, oh,
wenn du wüßtest,
Wie er dich immer pries, und wie ich stumpf
Auf alle seine Flammenworte hörte,
Weil jeder Vogel, der dem Busch entrauschte
Und meinem Pfeil entging, indem er sprach,
Mein Auge auf sich zog—wenn du dir sagtest,
Wie sehr dies unaufmerksam-kind'sche Wesen,
Das er für einen Ausdruck stillen Mißtrauns
Und halben Zweifels nahm, obgleich es nur
Aus' flücht'gem Sinn entsprang, ihn reizen mußte—
Wenn du uns beide nur ein einzig Mal
Auf einer unsrer Streiferein im Walde
Gesehen hättest, ihn in seiner Glut
Und mich in meiner Blödheit, unverständig
Nach bunten Steinen an der Erde spähend,
Indes er mir den Sonnen-Aufgang zeigte:
Ich bin gewiß, du blicktest wieder mild!
Er glich dem Priester, der dieselbe Flamme,
Die ihn durchlodert, zu des Gottes Ehre
Auch in der fremden Brust entzünden möchte;
Wenn dieser, leidenschaftlich-unvorsichtig,
Die heiligen Mysterien enthüllt,
Um dumpfe Sinne rascher zu erwecken
Und falsche Götzen sichrer zu entthronen:
Fehlt er so schwer, daß man ihm nicht verzeiht?
Rhodope (macht mit der Hand eine abwehrende Bewegung).
Er hat sein Gattenrecht dir abgetreten?
Gyges.
Nenn es nicht so.
Rhodope. Du brauchtest nicht
beim Wein
Nach seiner Hand zu greifen und dabei
Den Ring ihm abzuziehn, wie ich's mir dachte,
Er gab ihn dir von selbst zurück, du kamst
Vielleicht sogar mit ihm zugleich?
Gyges.
Wie
kannst
Du's glauben, Königin?
Rhodope.
Du bist ein Jüngling—
Du denkst so edel—
Gyges.
War ich denn sein Knecht?
Und hat er je verlangt, daß ich es sei?
Nein, Königin, entschuldige mich nicht,
Es bleibt bei deinem Spruch! Und halt ihn nicht
Für grausam, er ist mild. Ich ging den Weg,
Den ich wohl nimmer hätte gehen sollen,
Doch nahm ich gleich auch meinen Fluch dahin.
Ich wurde reif zum Tode, denn ich sah,
Daß alles, was das Leben bieten kann,
Vergeben war, und wenn ich in der Nacht
Ihn nicht schon fand und die entweihte Schwelle
Mit meinem rasch vergoßnen Blut dir wusch,
So ist die Schuld nicht mein: ich warb um ihn.
Oh, hätt' ich ihn ertrotzt, wie ich's versuchte,
Dann zitterte in deiner Seele jetzt
Nur noch ein Schauder vor dem Mörder nach,
Der dir das Atmen um so süßer machte,
Dein Gatte aber würde, als dein Retter,
Noch feuriger, wie je, von dir geküßt.
Rhodope.
Und Dinge kämen, die's uns fürchterlich
Enthüllen würden, daß die Götter nicht
Des Menschenarms bedürfen, sich zu rächen,
Wenn eine Schuld, die keine Sühne findet,
Weil sie im Dunkeln blieb, die Welt befleckt.
Doch, sie sind gnädig, dieser Frevel hat
Umsonst in Finsternis sich eingewickelt,
Er leuchtet doch hindurch. Das Wasser wird
Sich nicht in Feuer wandeln, wenn der Mund
Des Durst'gen es berührt, das Feuer nicht
Erlöschen, wenn der Hauch des Hungrigen
Es auf dem Herde anbläst, nein, o nein,
Die Elemente brauchen's nicht zu künden,
Daß die Natur vor Zorn im Tiefsten fiebert,
Weil sie verletzt in einem Weibe ist:
Wir wissen, was geschah!