Rhodope. Wenn
du zu mir sagst:
Jetzt bist du Witwe! so erwidre ich:
Jetzt bist du mein Gemahl!

Gyges.
Du hast gesehn,
Wie er von hinnen ging. Er sprach für sich
Kein einzig Wort, er überließ es mir,
Und ich, ich sollte—Nein!

Rhodope.
Du mußt es tun,
Wie ich es fordern muß. Wir dürfen beide
Nicht fragen, ob's uns schwer wird oder leicht.

Gyges.
Wenn er kein Gatte war: er ist ein Freund,
Wie's keinen zweiten gibt! Kann ich ihn töten,
Weil er zu sehr mein Freund gewesen ist?

Rhodope.
Du wehrst dich, doch es ist umsonst.

Gyges.

Was soll
Mich zwingen, wenn dein Reiz mich nicht bezwang?
Ich liebe dich, mir ist, als wäre ich
Mit einem Starrkrampf auf die Welt gekommen,
Und dieser löste sich vor deinem Blick!
Die Sinne, welche, wie verschlafne Wächter,
Bisher nicht sahn, noch hörten, wecken sich
In sel'gem Staunen gegenseitig auf
Und klammern sich an dich, rund um dich her
Zerschmelzen alle Formen, sonst so scharf
Und trotzig, daß sie fast das Auge ritzten,
Wie Wolkenbilder vor dem Sonnenstrahl;
Und wie ein Schwindelnder, der in den Abgrund
Zu stürzen fürchtet, könnt' ich nach der Hand
Dir greifen, ja, an deinen Hals mich hängen,
Eh' mich das bodenlose Nichts verschlingt!
Doch nicht mit einem Tropfen seines Blutes
Möcht' ich mir diesen höchsten Platz erkaufen,
Denn selbst im Rausch vergäße ich ihn nicht!

Rhodope.
Du kannst es mir versagen, das ist wahr!
Verlaß mich denn!

Gyges.
Was sinnst du, Königin?

Rhodope.
Ein Werk, das still beschlossen und noch stiller
Vollbracht wird.—Geh!