Gyges.
Wir feiern diese Spiele auch.
Kandaules.
Ja, ja!
So unter euch! Da ringt der Dorier
Mit dem Ionier, und mischt am Ende
Gar der Böotier sich mit hinein,
So glaubt ihr, Ares selber schaue zu
Und merke sich mit Schaudern jeden Streich.
Gyges, und wenn du alle Preise dort
Errungen hättest, warnen müßt' ich dich,
Hier auch nur um den letzten mitzukämpfen.
Denn wild und blutig ging es immer her,
Doch würbest du, der Grieche und mein Günstling,
Auch nur um einen Zweig der Silberpappel,
Wie man sie heut zu Tausenden verstreut:
Du kämst mit deinem Leben nicht davon.
Gyges.
Nun habe ich dein ja, du kannst mir's jetzt
Nicht länger vorenthalten!
Kandaules.
Nimmst du's so?
Dann muß ich schweigen!
Gyges.
Herr, ich kam nicht bloß,
Zu bitten!
(Er zieht einen Ring hervor.)
Nimm! Es ist ein Königsring!
Du siehst ihn an, du findest nichts an ihm,
Du staunst, daß ich ihn dir zu bieten wage,
Du wirst ihn nehmen, wie vom Kind die Blume,
Nur um die arme Einfalt nicht zu kränken,
Die dir sie brach, nicht, weil sie dir gefällt.
Unscheinbar ist er, das ist wahr, und schlicht,
Und dennoch kannst du für dein Königreich
Ihn dir nicht kaufen, noch ihn mit Gewalt
Trotz aller deiner Macht, dem Träger rauben,
Wenn er ihn dir nicht willig reichen will.
Trägst du ihn so,
(mit Zeichen und Gebärden)
daß das Metall nach vorn
Zu sitzen kommt, so ist er bloß ein Schmuck,
Vielleicht auch keiner, aber drehst du ihn
So weit herum, daß dieser kleine Stein,
Der dunkelrote, um sich blitzen kann,
So bist du plötzlich unsichtbar und schreitest,
Wie Götter in der Wolke, durch die Welt.
Darum verschmäh ihn nicht, denn noch einmal:
Es ist ein Königsring, und diesen Tag
Ersah ich längst, ihn dir zu übergeben,
Du bist der einz'ge, der ihn tragen darf!
Kandaules.
Von unerhörten Dingen kam auch uns
Die Kunde zu, man sprach von einem Weibe,
Medea hieß sie, welche Künste trieb,
Die selbst den Mond herab zur Erde zogen,
Doch nie vernahm ich noch von diesem Ring.
Woher denn hast du ihn?