Kandaules.
Ich werde nie bereun, daß ich's nicht tat.
Doch, wär' es auch geschehn, was hätt's gefrommt?
Ihr Argwohn hatte unauslöschlich schon
Des Nachts an deinem Seufzer sich entzündet,
Doch hadre darum nicht mit dir, wer wäre
Ein Mensch und hätte nicht geseufzt, wie du!
Gyges.
Es war kein guter Tag, an dem der König
Von Lydien den Griechen Gyges traf.
Kandaules.
Ich fluch ihm nicht.
Gyges.
Du hättest dich des Tigers
Wohl selbst erwehrt, der auf dich lauerte,
Und ich, mit meinem überflüss'gen Pfeil,
Beraubte, statt vom Tode dich zu retten,
Dich nur des Meisterschusses.
Kandaules.
Das ist wahr,
Ich hatt' ihn wohl bemerkt und war bereit.
Doch, als ich sah, wie dir die Augen blitzten,
Die Wangen glühten, und die Brust sich hob,
Da unterdrückte ich ein stilles Lächeln
Und dankte dir.
Gyges. So edel war er
stets!
Auch da, wo ich's nicht ahnte! Kann ich denn?
Kandaules.
Ich sah es auf den ersten Blick ja auch,
Daß du in einer größeren Gefahr
Die Tat noch kühner wiederholen würdest;
Wenn die nicht kam, so war's nicht deine Schuld!
Gyges.
Herr, sprich nicht mehr. Es ist so, wie du sagst,
Ich hätte an ein Haar von deinem Haupte
Mein Blut gesetzt, und dennoch muß ich jetzt,
So will's der Fluch, dein Leben fordern—
Kandaules.
Mein Leben!
Gyges. Ja, wenn sie nicht sterben
soll!
Die Sonne neigt sich schon zum Untergang,
Und sieht dein Auge noch den Abendstern,
So sieht das ihrige ihn nimmermehr.