Kandaules. Du meinst?

Thoas.
Ich seh es
ja!
Das flüstert und vergleicht! Das zuckt die Achseln,
Das ballt die Faust und nickt sich heimlich zu!
Du hast sie gar zu schwer gekränkt. Und wird
Der Grieche, wenn er morgens beim Erwachen
Auf einmal über deine Krone stolpert,
Weil man sie ihm des Nachts zu Füßen legte,
Sie noch verschmähn? Da wär' er ja ein Tor.
Es ist genug, daß er dich nicht beraubt,
Beerben darf er dich, und wird er dich.
Ei, seine Zeichen stehn, du glaubst nicht, wie!
Sonst schimpften sie ihn einen Zitherspieler
Und meinten, wie denn ich es selber meine,
Daß nur die Vögel süße Kehlen hätten,
Die arg verkürzt um ihre Klauen sind.
Jetzt ist er ihnen, weil er singen kann,
Wenn noch nicht Phöbus selbst, so doch sein Sohn!

Kandaules.
Das wundert dich? Er hat sie ja besiegt!
Wie könnte denn ein Mensch ihr Sieger sein.

Thoas.
Gleichviel! Doch er ist wirklich brav und treu,
Drum folge mir. Dann geht's vielleicht noch gut,
Wenn nicht die Götter eine Strafe senden,
Und über's Jahr versöhnst du die und uns!

Gyges (tritt auf).

Thoas.
Er kommt. Sprach ich umsonst? Herr, lächle nicht!
Selbst an der Mauer schießt Salpeter an,
Warum denn nicht das Salz der Zeit an mir?
(Er zieht sich in den Hintergrund zurück.)

Kandaules.
Du hast mich mehr getroffen, als du denkst!—
Nun, Gyges?

Gyges. Herr, ich habe dich gesucht.

Kandaules.
Ich dich nicht weniger. So sag mir an:
Was bringst du mir?—Du kehrst dich schweigend ab?
Was es auch sei: ich bin auf viel gefaßt!

Gyges.
Oh, hättest du mein Opfer angenommen!