Mariamne.
Ist Cleopatra tot, daß du so sprichst?

Herodes.
Du bist so schön, daß jeder, der dich sieht,
An die Unsterblichkeit fast glauben muß,
Mit welcher sich die Pharisäer schmeicheln,
Weil keiner faßt, daß je in ihm dein Bild
Erlöschen kann; so schön, daß ich mich nicht
Verwundern würde, wenn die Berge plötzlich
Ein edleres Metall, als Gold und Silber,
Mir lieferten, um dich damit zu schmücken,
Das sie zurückgehalten, bis du kamst;
So schön, daß—Ha! Und wissen, daß du stirbst,
Sobald ein andrer starb, aus Liebe stirbst,
Um dem, der dir voranging, nachzueilen,
Und dich in einer Sphäre, wo man ist
Und nicht mehr ist, ich stell mir das so vor,
Als letzter Hauch zum letzten Hauch zu mischen—
Das wär' freiwill'gen Todes wert, das hieße
Jenseits des Grabes, wo das Grauen wohnt,
Noch ein Entzücken finden: Mariamne,
Darf ich dies hoffen, oder muß ich fürchten,
Daß du—Antonius hat nach dir gefragt!

Mariamne.
Man stellt auf Taten keinen Schuldschein aus,
Viel weniger auf Schmerzen und auf Opfer,
Wie die Verzweiflung zwar, ich fühl's, sie bringen,
Doch nie die Liebe sie verlangen kann!

Herodes.
Leb wohl!

Mariamne.
Leb wohl! Ich weiß, du kehrst zurück
Dich tötet (sie zeigt gen Himmel) der allein!

Herodes.
So klein die Angst?

Mariamne.
So groß die Zuversicht!

Herodes.
Die Liebe zittert!
Sie zittert selbst in einer Heldenbrust!

Mariamne.
Die meine zittert nicht!

Herodes.
Du zitterst nicht!