Mariamne.
Ob du—

Herodes.
O Mariamne, frage nicht!
Du kennst den Zauber, der mich an dich knüpft,
Du weißt, daß jeder Tag ihn noch verstärkte,
Du mußt es ja empfinden, daß ich jetzt
Nicht für mich kämpfen kann, wenn du mir nicht
Versicherst, daß dein Herz noch für mich schlägt!
Oh, sag mir, wie, ob feurig oder kalt,
Dann werde ich dir sagen, ob Antonius
Mich Bruder nennen, oder ob er mich
Zum Hungertod im unterird'schen Kerker,
In dem Jugurtha starb, verdammen wird!
Du schweigst; Oh, schweige nicht! Ich fühl es wohl,
Daß dies Bekenntnis keinem König ziemt;
Er sollte nicht dem allgemeinen Los
Der Menschheit unterworfen, sollte nicht
Im Innern an ein Wesen außer sich,
Er sollte nur an Gott gebunden sein!
Ich bin es nicht! Als du vor einem Jahr
Im Sterben lagst, da ging ich damit um,
Mich selbst zu töten, daß ich deinen Tod
Nur nicht erlebte, und—dies weißt du nun,
Ein and'res wisse auch! Wenn ich einmal,
Ich selbst, im Sterben läge, könnt' ich tun,
Was du von Salome erwartest, könnte
Ein Gift dir mischen und im Wein dir reichen,
Damit ich dein im Tod noch sicher sei!

Mariamne.
Wenn du das tätest, würdest du genesen!

Herodes.
O nein! o nein! Ich teilte ja mit dir!
Du aber sprich—ein übermaß von Liebe,
Wie dieses wäre, könntest du's verzeihn?

Mariamne.
Wenn ich nach einem solchen Trunk auch nur
Zu einem letzten Wort noch Odem hätte,
So flucht' ich dir mit diesem letzten Wort!
(Für sich.) Ja, um so eher tät' ich das, je sichrer
Ich selbst, wenn dich der Tod von hinnen riefe,
In meinem Schmerz zum Dolche greifen könnte:
Das kann man tun, erleiden kann man's nicht!

Herodes.
Im Feuer dieser Nacht hat sich ein Weib
Mit ihrem toten Mann verbrannt; man wollte
Sie retten, doch sie sträubte sich. Dies Weib
Verachtest du, nicht wahr?

Mariamne.
Wer sagt dir das?
Sie ließ ja nicht zum Opfertier sich machen,
Sie hat sich selbst geopfert, das beweist,
Daß ihr der Tote mehr war, als die Welt!

Herodes.
Und du? Und ich?

Mariamne.
Wenn du dir sagen darfst,
Daß du die Welt mir aufgewogen hast,
Was sollte mich wohl in der Welt noch halten?

Herodes.
Die Welt! Die Welt hat manchen König noch,
Und keiner ist darunter, der mit dir
Den Thron nicht teilte, der nicht deinetwegen
Die Braut verließe und das Weib verstieße,
Und wär's am Morgen nach der Hochzeitsnacht!