Mariamne.
Weil du durch einen Fluß verleumdet wirst,
Der seine eigne, grausam-tück'sche Tat
Dir aufzubürden wagt! Doch fürcht ihn nicht,
Ich widersprech ihm!

Herodes.
In der Tat?

Mariamne.
Ich kann's!
Die Schwester lieben und den Bruder töten,
Wie wär' das zu vereinen?

Herodes.
Doch vielleicht!
Wenn solch ein Bruder selbst aufs Töten sinnt,
Und man nur dadurch, daß man ihm begegnet,
Ja ihm zuvorkommt, sich erhalten kann!
Wir sprechen hier vom Möglichen! Und weiter!
Wenn er, an sich zwar arglos, sich zur Waffe
In Feindeshänden machen läßt, zur Waffe,
Die tödlich treffen muß, wenn man sie nicht
Zerbricht, bevor sie noch geschwungen wird.
Wir sprechen hier vom Möglichen! Und endlich!
Wenn diese Waffe nicht ein Einzelhaupt,
Nein, wenn sie eines Volkes Haupt bedroht!
Und eins, das diesem Volk so nötig ist,
Wie irgendeinem Rumpf das seinige.
Wir sprechen hier vom Möglichen, doch denk ich,
In allen diesen Fällen wird die Schwester,
Als Weib aus schuld'ger Liebe zum Gemahl,
Als Tochter ihres Volks aus heil'ger Pflicht,
Als Königin aus beiden sagen müssen:
Es ist geschehn, was ich nicht schelten darf!
(Er faßt Mariamnens Hand.)
Wenn eine Ruth mich auch nicht fassen mag,
Wie hätte sie's gelernt beim ährenlesen,
Die Makkabäerin wird mich verstehn!
Du konntest mich in Jericho nicht küssen,
Du wirst es können in Jerusalem!
(Er küßt sie.)
Und wenn der Kuß dich doch gereuen sollte,
So höre, was dich mir versöhnen wird:
Ich habe ihn zum Abschied mir genommen,
Und dieser Abschied kann für ewig sein!

Mariamne.
Für ewig?

Herodes.
Ja! Antonius läßt mich rufen,
Doch, ob auch wiederkehren, weiß ich nicht!

Mariamne.
Du weißt es nicht?

Herodes.
Weil ich nicht weiß, wie hart
Mich meine—deine Mutter bei ihm verklagte!

(Mariamne will reden.)

Herodes.
Gleichviel! Ich werd's erfahren. Eins nur muß ich
Aus deinem Munde wissen, wissen muß ich,
Ob ich und wie ich mich verteid'gen soll.