Mariamne (für sich).
Oh, daß er nicht die blut'gen Hände hätte!
Ich sag ihm nichts! Denn, was er auch getan,
Spricht er davon, so scheint es wohl getan,
Und schrecklich wär' es doch, wenn er mich zwänge,
Den Brudermord zu finden, wie das andre,
Notwendig, unvermeidlich, wohl getan!

Herodes.
Du schweigst?

Mariamne.
So soll ich reden? Wohl von Perlen!
Wir sprachen ja bis jetzt von Perlen nur,
Von Perlen, die so rein sind und so weiß,
Daß sie sogar in blut'gen Händen nicht
Den klaren Glanz verlieren! Nun, du häufst
Sie sehr bei mir!

Herodes.
Verdrießt es dich?

Mariamne.
Mich nicht!
Du kannst mir dadurch nimmer eine Schuld
Bezahlen wollen, und mir däucht, ich habe
Als Weib und Königin ein volles Recht
Auf Perlen und Kleinodien. Ich darf
Vom Edelstein, wie Cleopatra, sagen:
Er ist mein Diener, dem ich es verzeihe,
Daß er den Stern so schlecht bei mir vertritt,
Weil er dafür die Blume übertrifft!
Doch hast du eine Schwester, Salome—

Herodes.
Und diese—

Mariamne.
Nun, wenn sie mich morden soll,
So fahr nur fort, das Meer für mich zu plündern,
Sonst—gib dem Taucher endlich Ruh! Ich stehe
Schon hoch genug in ihrer Schuld! Du siehst
Mich zweifelnd an? Doch! Doch! Als ich vor'm Jahr
Im Sterben lag, da hat sie mich geküßt.
Es war das erste und das einz'ge Mal,
Ich dachte gleich: Das ist dein Lohn dafür,
Daß du von hinnen gehst! So war es auch,
Ich aber täuschte sie, denn ich genas.
Nun hab ich ihren Kuß umsonst, und das
Vergaß sie nicht. Ich fürchte sehr, sie könnte
Sich dran erinnern, wenn ich sie besuchte,
Die Wunderperlen um den Hals, durch die
Du mir zuletzt gezeigt, wie du mich liebst!

Herodes. (für sich).
Es fehlt nur noch, daß meine linke Hand
Sich gegen meine rechte kehrt!

Mariamne.
Ich würde
Zum wenigsten den Willkommstrunk verschmähn!
Und böte sie mir statt gewürzten Weins
Auch im Kristall unschuld'ges Wasser dar,
Ich ließe selbst dies Wasser unberührt!
Zwar würde das nichts heißen! Nein! Es wäre
Auch so natürlich; denn das Wasser ist
Mir jetzt nicht mehr, was es mir sonst gewesen ist:
Ein mildes Element, das Blumen tränkt
Und mich und alle Welt erquickt, es flößt
Mir Schauder ein und füllt mich mit Entsetzen,
Seit es den Bruder mir verschlungen hat,
Ich denke stets: im Tropfen wohnt das Leben,
Doch in der Welle wohnt der bittre Tod!
Dir muß es noch ganz anders sein!

Herodes.
Warum?