Dritte Szene

Ein Diener (tritt ein).
Die Königin!

(Mariamne folgt ihm auf dem Fuß.)

Herodes (geht ihr entgegen) Du kommst mir nur zuvor!
Ich wollte—

Mariamne.
Doch nicht in Person den Dank
Für deine wunderbaren Perlen holen?
Ich wies dich zweimal ab, es noch einmal
Versuchen, ob ich meinen Sinn gewendet,
Das wär' für einen Mann zuviel gewesen
Und ganz gewiß zuviel für einen König.
O nein, ich kenne meine Pflicht, und da du
Seit meines muntren Bruders jähem Tod
Mich jeden Tag so reich beschenkst, als würbest
Du neu um mich, so komme ich auch endlich
Und zeige dir, daß ich erkenntlich bin!

Herodes.
Ich sehe es!

Mariamne.
Zwar weiß ich nicht, wie du
Es mit mir meinst. Du schickst für mich den Taucher
Hinunter in das dunkle Meer, und wenn
Sich keiner findet, der um blanken Lohn
Des Leviathans Ruhe stören will,
So tust du deine Kerker auf und gibst
Dem Räuber den verwirkten Kopf zurück,
Damit er dir die Perlen fischt für mich.

Herodes.
Und scheint dir das verkehrt? Ich ließ wohl auch
Den Mörder schon vom Kreuz herunternehmen,
Als es ein Kind aus einer Feuersbrunst
Zu retten galt, und sagte ihm: Wenn du's
Der Mutter wiederbringst, so gilt mir das,
Als hättest du dem Tod die Schuld bezahlt.
Er stürzte auch hinein—

Mariamne.
Und kam er wieder
Heraus?

Herodes.
Es war zu spät! Sonst hätt' ich ihm
Mein Wort gehalten und ihn als Soldat
Nach Rom geschickt, wo Tiger nötig sind.
Man soll mit allem wuchern, denke ich,
Warum nicht mit verfallnem Menschenleben?
Es kommen Fälle, wo man's brauchen kann!