Herodes.
Versprich mir denn, daß du sie töten willst,
Wenn sie sich selbst nicht tötet! übereil's nicht,
Doch säum auch nicht zu lange! Geh zu ihr,
Sobald mein Bote, denn ich schicke einen,
Dir meldet, daß es mit mir aus ist, sag's ihr
Und sieh, ob sie zu einem Dolche greift,
Ob sie was andres tut. Versprichst du's?

Joseph.
Ja!

Herodes.
Ich lasse dich nicht schwören, denn man ließ
Noch keinen schwören, daß er eine Schlange
Zertreten wolle, die den Tod ihm droht.
Er tut's von selbst, wenn er bei Sinnen bleibt,
Da er das Essen und das Trinken eher
Gefahrlos unterlassen kann, als dies.
(Joseph macht eine Bewegung.)
Ich kenn dich ja! Und dem Antonius
Werd' ich dich als den einzigen empfehlen,
Dem er vertrauen darf. Du wirst ihm das
Dadurch beweisen, daß die Blutsverwandte
Dir nicht zu heilig ist, um sie zu opfern,
Wenn es Empörung zu ersticken gilt.
Denn dies ist der Gesichtspunkt für die Tat,
Aus dem du ihm sie zeigen mußt. Ihr wird
Ein Straßenauflauf folgen, und du meldest
Ihm, daß ein Aufruhr ihr vorhergegangen,
Und nur durch sie bezwungen worden sei.
Was dann das Volk betrifft, so wird es schaudern,
Wenn es dein blut'ges Schwert erblickt, und mancher
Wird sprechen: Diesen kannt' ich doch nur halb!
Und jetzt—

Joseph.
Ich seh dich noch! Und nicht bloß heut,
Ich weiß gewiß, du kehrst, wie sonst, zurück.

Herodes.
Unmöglich ist es nicht, darum noch eins!—
(Lange Pause.)
Ich schwur jetzt etwas in bezug auf dich!
(Er schreibt und siegelt.)
Hier steht's! Nimm dieses Blatt versiegelt hin!
Du siehst, die Aufschrift lautet—

Joseph.
An den Henker!

Herodes.
Ich halte dir, was ich dir drin versprach,
Wenn du vielleicht ein Stück von einem König
Erzählen solltest, der—

Joseph.
Dann gib mir auf,
Dies Blatt dem Henker selbst zu überreichen! (Ab.)

Sechste Szene

Herodes (allein).
Nun lebt sie unterm Schwert! Das wird mich spornen,
Zu tun, was ich noch nie getan; zu dulden,
Was ich noch nie geduldet, und mich trösten,
Wenn es umsonst geschieht! Nun fort!—(Ab.)