Zweiter Akt
Burg Zion. Alexandras Gemächer.
Erste Szene
Alexandra und Sameas.
Alexandra.
Dies weißt du nun!
Sameas.
Es überrascht mich nicht!
Nein, vom Herodes überrascht mich nichts!
Denn, wer als Jüngling dem Synedrium
Schon Krieg erklärt, wer mit der blanken Waffe
Vor seinen Richter hintritt und ihn mahnt,
Daß er der Henker ist, und daß der Henker
Kein Todesurteil an sich selbst vollzieht,
Der mag als Mann—Ha, ich erblick ihn noch,
Wie er, dem Hohenpriester gegenüber,
Sich an die Säule lehnte und, umringt
Von seinen Söldnern, die im Räuberfangen
Sich selbst in Räuber umgewandelt hatten,
Uns alle überzählte, Kopf für Kopf,
Als stünde er vor einem Distelbeet
Und sänne nach, wie es zu säubern sei.
Alexandra.
Ja, ja, es war ein Augenblick für ihn,
An den er sich mit Stolz erinnern mag!
Ein junger Tollkopf, der die Zwanzig kaum
Erreicht, wird vors Synedrium gestellt,
Weil er in frevelhaftem übermut
Sich einen Angriff aufs Gesetz erlaubt,
Weil er ein Todesurteil, das von euch
Noch nicht gesprochen ward, vollzogen hat.
Des Toten Witwe tritt ihm an der Schwelle
Mit ihrem Fluch entgegen, drinnen sitzt,
Was alt und grau ist in Jerusalem.
Doch weil er nicht im Sack kommt und mit Asche
Sein Haupt bestreut, so wird's euch schwach zumut;
Ihr denkt nicht mehr daran, ihn zu bestrafen,
Ihr denkt nicht einmal dran, ihn zu bedräuen,
Ihr sagt ihm nichts, er lacht euch aus und geht!
Sameas.
Ich sprach!
Alexandra.
Als es zu spät war!
Sameas.
Hätt' ich's eher
Getan, so wäre es zu früh gewesen,
Ich schwieg aus Ehrfurcht vor dem Hohenpriester,
Dem stand das erste Wort zu, mir das letzte,
Er war der Alteste, der Jüngste ich!