Alexandra.
Gleichviel! Wenn ihr in jenem Augenblick
Den schlichten Mut der Pflicht bewiesen hättet,
So würde jetzt kein größrer nötig sein!
Doch nun seht zu, ob ihr—Ei was, euch bleibt
Auch wohl ein andrer Ausweg noch! Wenn ihr
Mit ihm nicht kämpfen wollt, und in der Tat,
Es wär' gewagt, ich rat euch ab, so braucht
Ihr mit dem Löwen oder mit dem Tiger
Den Kampf nur einzugehn, den er befiehlt!
Sameas.
Was redest du?
Alexandra. Du kennst die Fechterspiele
Der Römer doch?
Sameas.
Gott Lob, ich kenn sie nicht!
Ich halt es für Gewinn, nichts von den Heiden
Zu wissen, als was Moses uns erzählt;
Ich mache jedesmal die Augen zu,
Wenn mir ein römischer Soldat begegnet,
Und segne meinen Vater noch im Grabe,
Daß er mich ihre Sprache nicht gelehrt.
Alexandra.
So weißt du nicht, daß sie die wilden Tiere
Aus Afrika zu Hunderten nach Rom
Hinüberschaffen?
Sameas.
Nein, ich weiß es nicht!
Alexandra.
Daß sie sie dort in steinerner Arena
Zusammentreiben, daß sie ihnen Sklaven
Entgegenhetzen, die auf Tod und Leben
Mit ihnen kämpfen müssen, während sie
Im Kreis herum auf hohen Bänken sitzen
Und jubeln, wenn die Todeswunden klaffen,
Und wenn das rote Blut den Sand bespritzt?
Sameas.
Das hat der wildeste von meinen Träumen
Mir nicht gezeigt, doch freut's mich in der Seele,
Wenn sie es tun, es schickt sich wohl für sie!
(Mit erhobenen Händen.)
Herr, du bist groß! Wenn du dem Heiden auch
Das Leben gönnst, so muß er dir dafür
Doch einen gräßlichen Tribut bezahlen,
Du strafst ihn durch die Art, wie er es braucht!
Die Spiele möcht' ich sehn!
Alexandra.
Der Wunsch wird dir
Erfüllt, sobald Herodes wiederkehrt,
Er denkt sie einzuführen!
Sameas.
Nimmermehr!