Alexandra.
Ich sagt' es dir! Warum auch nicht? Wir haben
Der Löwen ja genug! Der Berghirt wird
Sich freuen, wenn sich ihre Zahl vermindert,
Er spart dann manches Rind und manches Kalb.

Sameas.
Vom übrigen noch abgesehn, wo fände
Er Kämpfer? Sklaven gibt es nicht bei uns,
Die ihm auf Tod und Leben pflichtig sind.

Alexandra.
Den ersten—seh ich vor mir!

Sameas.
Wie?

Alexandra.
Gewiß!
Du wirst, wie jetzt, dein Angesicht verziehn,
Du wirst vielleicht sogar die Fäuste ballen,
Die Augen rollen und die Zähne fletschen,
Wenn du den großen Tag erlebst, an dem
Er feierlich, wie Salomo den Tempel,
Die heidnische Arena weihen wird.
Das wird ihm nicht entgehn, und des zum Lohn
Wird er den Wink dir geben, einzutreten
Und allem Volk zu zeigen, was du kannst,
Wenn du dem Löwen gegenüberstehst,
Der tagelang vorher gehungert hat.
Denn, da es uns an Sklaven fehlt, so sollen
Die todeswürdigen Verbrecher sie
Ersetzen, und wer wär' noch todeswürdig,
Wenn der nicht, der dem König offen trotzt!

Sameas.
Er könnte—

Alexandra.
Zweifle nicht! Es wäre schlimm
Wenn ihm zu früh der Kopf genommen würde,
Es würden Pläne mit ihm untergehn,
Die selbst Pompejus, der doch heidenkeck
Ins Allerheiligste zu treten wagte,
Vielleicht—

Sameas (ausbrechend).
Antonius, wenn du ihn packst,
So will ich dich ein Jahr lang nicht verfluchen!
Und tust du's nicht, so—Nun, wir sind bereit!

Alexandra.
Er meint, wenn unser Volk sich mit den andern
Nicht mischen sollte, würden wir den Erdball
Von Gott für uns allein erhalten haben!

Sameas.
Meint er?