Sameas.
Antonius! Wer sonst?

Alexandra.
Weswegen tat er's?

Sameas.
Weil er ihm gefiel!
Vielleicht auch bloß, weil er uns nicht gefiel!
Wann hat ein Heide einen bessern Grund?

Alexandra.
Und weiter! Was erhält ihn auf dem Thron?

Sameas.
Des Volkes Segen nicht! Vielleicht sein Fluch!
Wer kann es sagen?

Alexandra.
Ich! Nichts, als der Pfiff,
Den Zins, den wir dem Römer zahlen müssen,
Alljährlich vorm Verfalltag einzuschicken
Und ihn sogar freiwillig zu verdoppeln,
Wenn sich ein neuer Krieg entzündet hat.
Der Römer will nur unser Gold, nicht mehr,
Er läßt uns unsern Glauben, unsern Gott,
Er würde ihn sogar mit uns verehren,
Und neben Jupiter und Ops und Isis
Ihm auf dem Capitol den Winkel gönnen,
Der unbesetzt geblieben ist bis heut,
Wär' er nur auch, wie die, von Stein gemacht.

Sameas.
Wenn dem so ist, und leider ist es so,
Was hast du von Antonius zu hoffen?
In diesem Punkt, du selber sprachst es aus,
Versäumt Herodes nichts. Noch jetzt—ich habe
Ihn ziehen sehn! Dem einen Maultier brach
Der Rückgrat, eh' es noch das Tor erreichte!
Für jeden Tropfen Bluts in seinen Adern
Bringt er ihm eine Unze Goldes dar:
Glaubst du, er weist es deinethalb zurück?

Alexandra.
Gewiß nicht, führt' ich meine Sache selbst!
Allein das tut Cleopatra für mich,
Und hoffentlich tut's Mariamne auch.
Du staunst? Versteh mich recht! Nicht in Person,
Da kehrt sie sich wohl eher gegen mich,
Nur durch ihr Bild, und nicht einmal durch das,
Nein, durch ein andres, das ihr freilich gleicht.
Denn wie ein wilder Wald nicht bloß den Löwen
Beherbergt, auch den Tiger, seinen Feind,
So nistet auch in dieses Römers Herzen
Ein ganzes Wurmgeschlecht von Leidenschaften,
Die um die Herrschaft miteinander ringen,
Und wenn Herodes auf die erste baut,
Ich baue auf die zweite, und ich glaube,
Daß die der andern überlegen ist.

Sameas.
Du bist—

Alexandra.
Kein Hirkan, wenn auch seine Tochter!
Doch, daß du nicht mißdeutest, was ich tat:
Ich bin auch Mariamne nicht! Und wenn
Antonius den Gemahl, der sie besitzt,
Vertilgt, um sich den Weg zu ihr zu bahnen:
Sie bleibt die Herrin ihrer selbst und kann
Sich hüllen in ein ew'ges Witwenkleid.
Des aber halt ich mich gewiß, schon hat er
Die Hand ans Schwert gelegt, und wenn er's noch
Nicht zog, so hielt ihn nur die Rücksicht ab,
Daß dieser glückliche Soldat Herodes
Den Römern für den Ring von Eisen gilt,
Der alles hier bei uns zusammenhält.
Schaff du ihm den Beweis des Gegenteils,
Erreg Empörung, stör den schlaffen Frieden,
So wird er's ziehn!