Sameas.
Den schaffe ich ihm leicht!
Schon schlug das Volk ihn in Gedanken tot,
Es wird erzählt—
Alexandra.
Drück du dein Siegel drauf,
Und dann eröffne rasch sein Testament!
Den Inhalt kennst du jetzt, die Fechterspiele
Stehn obenan, und wenn ein jeder sich
Durch seinen Tod um hundert Rutenstreiche
Verkürzt glaubt, oder um das Marterkreuz,
So glaubt ein jeder, was er glauben darf.
Denn Dinge stehen Israel bevor,
Die manchem Herzen den Verzweiflungswunsch
Abdringen werden, daß das Rote Meer
Das ganze Volk, die heiligen zwölf Stämme,
Verschlungen hätt', und Moses selbst zuerst.
Sameas.
Ich geh! Und eh' der Mittag kommt—
Alexandra.
Ich weiß,
Was du vermagst, wenn du den Sack ergreifst
Und Wehe! rufend, durch die Gassen ziehst,
Als wär' dein Vorfahr Jonas wieder da.
Es wird sich zeigen, daß es nützlich ist,
Zuweilen bei dem Fischer vorzusprechen,
Und mit dem Herrn Gevatter zu verzehren,
Was er sich selbst gönnt, weil es niemand käuft.
Sameas.
Es wird sich zeigen, daß wir Pharisäer
Die Schmach, die wir erlitten, nicht vergaßen,
Wie du zu meinen scheinst. Vernimm denn jetzt,
Was du erst durch die Tat erfahren solltest:
Wir sind schon längst verschworen gegen ihn,
Wir haben ganz Judäa unterwühlt,
Und in Jerusalem,—damit du siehst,
Wie fest wir auf das Volk zu zählen haben,—
Ist selbst ein Blinder mit in unserm Bund!
Alexandra.
Was nützt euch der?
Sameas.
Nichts! Und er weiß es selbst!
Doch ist er so von Haß und Grimm erfüllt,
Daß er das Unternehmen mit uns teilen
Und lieber sterben, als in dieser Welt,
Wenn es mißlingt, noch länger leben will.
Ich denke doch, daß dies ein Zeichen ist! (Ab.)
Zweite Szene
Alexandra (allein).
Schon schlug das Volk ihn in Gedanken tot!
Ich weiß! Ich weiß! Und daran kann ich sehn,
Wie sehr man's wünscht, daß er nicht wiederkehrt.
Es traf sich gut, daß ihn der Heuschreckschwarm.
Bedeckte, als er fortzog, denn das gilt
Als Omen, daß man's nicht vergebens wünscht.
Auch ist es möglich, daß er wirklich jetzt
Schon ohne Kopf—Das nicht! Sprich, wie du denkst,
Der Pharisäer lauscht nicht vor der Tür!
Antonius ist zwar Antonius,
Doch auch ein Römer, und ein Römer fällt
Das Urteil langsam, wie er's schnell vollzieht.
Gefangner mag er sein, wenn er auch nicht
Im Kerker sitzt! Und wenn man das benutzt,
Kann's weiter führen. Darum ist es gut,
Wenn jetzt ein Aufstand kommt, obgleich ich weiß,
Was es an sich bedeutet, und nicht minder,
Was es für Folgen haben wird, wenn er
Doch noch zurückkehrt. Wenn! Es kann geschehn,
Bedenk es wohl! Er schickte, als er ging,
Dir einen abgeschlagnen Kopf zum Abschied,
Das zeigt dir—pfui, ich sprech ja, wie mein Vater!
Es zeigt mir, daß er rasch ist, wie Tyrannen
Es sind, und auch, daß er mich schrecken möchte.
Das eine wußt' ich längst, das andre soll
Ihm nicht gelingen! Wenn das Schlimmste käme,
Wenn alles mir mißglückte, und wenn er,
Trotz seiner Leidenschaft für Mariamne,
Die eher steigt, als fällt, und die mich schützt,
Sobald sie selbst nur will, das ärgste wagte—
Was wär's? Um Rache setzt' ich alles ein,
Und Rache würde mir im Tode noch,
Rache an ihm, der's täte, und an ihr,
Die es geschehen ließe, nimmer sähe
Das Volk, und nimmer Rom, geduldig zu.
Und was mich selbst betrifft, so würde ich
In diesem blut'gen Fall nur um so besser
Zu meinen Ahnen passen! Mußten doch
Die meisten meines Stamms, die ältermütter,
Wie älterväter, ohne Kopf die Welt
Verlassen, weil sie ihn nicht beugen wollten,
Ich teilte dann ihr Los, was wär' es mehr?
Dritte Szene