Mariamne.
Dich nicht mehr Lügen strafen kann,
Wenn du ihn feig und schlecht des Schrecklichsten,
Des Maßlos-Ungeheuersten verklagtest,
Bloß um dich selbst vor mir zu reinigen?
Ich sage dir, ich höre dich nur jetzt,
Wo er vielleicht, eh' du noch endigtest,
Schon in die Tür tritt und dich niederstößt!
Schweig denn auf ewig, oder sprich sogleich!
Joseph.
Und wenn es wär'? Ich sag nicht, daß es ist!
Doch wenn es wär'? Was würd' es anders sein,
Als die Bestät'gung dessen, was du fühlst,
Als ein Beweis, daß er dich liebt, wie nie
Ein Mann sein Weib noch liebte?
Mariamne.
Was ist das?
Mir deucht, schon einmal hab ich das gehört!
Joseph.
Ich dächte doch, es könnte dir nur schmeicheln,
Wenn ihm der Tod nicht halb so bitter wär',
Als der Gedanke, dich—
Mariamne.
Was gilt die Wette,
Ich selber bring es jetzt für dich zu Ende!
Als der Gedanke, mich zurückzulassen
In einer Welt, wo ein Antonius lebt!
Joseph.
Nun ja! Ich sag nicht, daß er das gesagt—
Mariamne.
Er hat's gesagt! Er hat—Was hat er nicht!
Oh, daß er endlich käme!
Joseph.
Mariamne!—(Für sich.)
Wie hab ich mich verstrickt! Zwar tat ich nichts,
Als was ich mußte! Doch mich packt ein Grauen,
Daß er—ich seh den Aristobolus.
Verflucht die Tat, die einen Schatten wirft,
Eh' sie ins Leben tritt!
Mariamne.
So war das mehr,
Als eine tolle Blase des Gehirns,
Wie sie zuweilen aufsteigt und zerplatzt,
So war's—Von jetzt erst fängt mein Leben an,
Bis heute träumt' ich!
Sechste Szene