Alexandra.
So willst du dich nicht zu den Römern flüchten?

Mariamne.
Wozu nur?

Alexandra.
Um das Leben dir zu sichern!

Mariamne.
Das Leben! Freilich! Das muß man sich sichern!
Der Schmerz hat keinen Stachel ohne das!

Alexandra.
So gib der Stunde wenigstens ihr Recht!
Du gibst ein Fest, so zeig auch deinen Gästen
Ein festliches Gesicht, wie sich's gebührt!

Mariamne.
Ich bin kein Instrument und keine Kerze,
Ich soll nicht klingen, und ich soll nicht leuchten,
Drum nehmt mich, wie ich bin! Nein! Tut es nicht!
Treibt mich, das Beil für meinen Hals zu wetzen,
Was red ich, treibt mich, daß ich mit euch juble—
Soemus, auf!
(Zu Salome, die eben eintritt und ihr entgegenschreitet.)

Du, Salome? Willkommen
Vor allem mir, trotz deiner Trauerkleider!
Das hätt' ich kaum gehofft!

Sechste Szene

Salome.
Ich muß ja wohl,
Wenn ich erfahren will, wie's steht! Ich werde
Zu einem Fest geladen, doch man sagt
Mir nicht, warum das Fest gegeben wird!
Zwar kann ich's ahnen, doch ich muß es wissen!
Nicht wahr: Herodes kehrt zurück? Wir werden
Ihn heut noch sehn? Die Kerzen sagen ja,
Die lustige Musik! Tu du es auch!
Ich frag nicht meinetwegen! Doch du weißt—
Nein, nein, du weißt es nicht, du hast's vergessen,
Du hast vielleicht geträumt, sie sei begraben,
Sonst hättst du ihr die Kunde nicht verhehlt,
Allein dein Traum hat dich getäuscht, sie sitzt
Noch immer in der Ecke, wo sie saß,
Als sie dich segnete—

Mariamne.
Was redest du?