„So, so!”
Er schwieg einen Augenblick, biß sich auf die Lippen und warf dann die Worte hin:
„Sagen Sie weiter nichts, daß sich jemand nach den Herrschaften erkundigt hat. Es wird sich ja morgen alles finden. Schicken Sie mir den Kellner auf mein Zimmer, ich werde oben eine Kleinigkeit essen.”
Der umhergetriebene Troubadour schlief in dieser Nacht keine Stunde.
Doch sein Tagebuch füllte sich mit peinvollen Gedanken.
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Aus Steins Tagebuch:
Von Lord Byrons großzügigem Pathos, von Shelleys Himmelsflug, von Voltaires Diabolik und Rousseaus dumpf-ungestümem Freiheits- und Liebesdrang sind an diesem Genfer See noch Strömungen in der Luft ...
Es ist Nacht: Zeit der Dämonen. Zeit der Sonnenferne, Zeit der Mondherrschaft. Es ist Nacht: Gespenster- und Verräterstunde! In der Nacht verriet Petrus den Herrn; als der Hahn krähte, als die Sonne wieder alles Leben beleuchtete, erwachte sein höheres Ich zum Bewußtsein der niedrigen, sonnenfernen, gottfernen Tat ...
Teile der Nacht sind in uns allen. Unbetretene Schluchten, luziferische Mächte, Dämonen des Abgrundes. Und Diabolik oder Koboldwesen und Nixentum steckt auch in jedem naturstarken Weibe ... Elisabeth ist naturstark ... Freilich, das edle Weib beherrscht die Dämonen; sie werden dann Freunde und dienen der stolzen Herrin. Aber das schwache Weib? Das läßliche und passive Weib? ...