Ich bin furchtbar allein! ...
O mein Gott, wie grauenhaft bin ich allein! ...
Zum erstenmal in meinem einsamen Leben wahrhaft mutterseelenallein! ...
Klammre dich nicht an ein Weib, mein Herz! Ein Weib kann nicht geleiten, kann nur begleiten, wenn du selber stark bist. Sie kann den Lebenskampf erleichtern, aber nicht bedeuten, nicht dir ersparen; sie kann Reizmittel sein, nicht Nahrung. Nahrung aber müssen Mann und Weib aus übersinnlichen Sphären holen. Wenn dir dahin der Pfad versperrt ist, wenn du nimmer glaubst an Sitte und Gottheit — dann allerdings ist Geschlechtslust dein niederträchtiger Ersatz — und Zerrüttung das Ende!
Das ist des Lebens Tragik: bei innigster Liebe und reinster Absicht in entscheidenden Stunden ganz allein zu sein! Es gibt Stunden, die dir den Atem benehmen, wo du mit niemandem sprechen kannst, auch nicht mit dem besten Freunde. Das muß allein durchgekämpft werden. Beiß Zähne zusammen! Kämpf' es durch! Sprenge die Rinde! Neue Kraft formt neue Lebensrinde! Und nicht bitter werden, nicht bitter! Es ist wie ein Sterben, denn du mußt dich von etwas Geliebtem trennen. Doch morgen bist du hindurch — und die Wunde wird vernarben — und du bist stärker als zuvor ...
Ich spüre die Geisterfreunde vom Montserrat, ich spüre die Jungfrau von Lourdes. Habt Dank! Bald bin ich vollends in eurem unbekannten Lande, wo es nur Liebe gibt, nur Treue ...
Als der Vollmond über den See hing,
Als die tückisch bewegliche Welle
Ruhigen Lichtes lag, nur leise blinzelnd —
Dacht' ich, wie diese falsche Woge
Tückischen Sturmes fähig sei,
Schneeweiße Fäuste ballend,
Ein zornig Weibchen — das gestern
Zärtliche Geliebte war.
Traue der Welle nicht, Wandrer!
Trau' nicht dem Weibe!
Ach, mich quälen Wahnsinnsgedanken,
Da ich der Süßen mißtraue,
Die mir so lieb war!
Denn keine Treue wohnt in der Welle,
Ach, keine Treue im Weib! Denn im Kusse,
Insgeheim, in dunklen Tiefen,
Denkt sie des andren!
Ach, wer will eines Weibes Gedanken gebieten!
Wer den ewig beweglichen Wellen! ....
Es ist Gift in meinem Blut! Es sind Dämonen in diesem Zimmer! Dieses Genf ist voll von Dämonismus! Ward nicht da draußen eine Kaiserin ermordet? Ja, das ist es! Bin ich nicht vorhin über die Stelle dieser schwarzen Tat gegangen? Sie ward mitten ins Herz getroffen von jenes Mörders Stilett, es floß kein Tropfen Blut, sie hat immer im Leben Reinlichkeit geliebt. Ruhelose, du bist viel gewandert: wandernd stiegst du in Charons Nachen! Ihr Lieblingsdichter war der zerrüttete Heine, ein Verwandter des größeren Byron, der den Gefangenen von Chillon besungen hat — Freiheitsucher, denen Europa und die Erde zu eng war! Weiße Schwäne schwammen am Ufer, wo sie getötet ward; und die weißen Berge schauten machtlos dem schwarzen Frevel zu ...