„In Heidelberg ist mein Herz wieder warm und hell geworden”, erzählte der heimgekehrte Spielmann. „Ich kam in gedrückter Stimmung an. Aber da oben auf dem Heidelberger Schloß, um mich her den jungen Sommertag — unvergleichlich schön!”

„Nicht wahr?!” frohlockte der kerndeutsche Trotzendorff. „Scheltet auf Scheffel, soviel ihr wollt, ihr Modernen, und verdammt den Tonsetzer des ‚Trompeter von Säckingen’ in Grund und Boden! Schon recht! Aber singt einmal, singt sein Alt-Heidelberg — und er behält recht! Hol's der Deuwel, da werde sogar ich ein Dichtersmann!”

Und sofort klang es in Ingo, und er sang in den Morgen:

„Alt-Heidelberg, du feine,
Du Stadt an Ehren reich!
Am Neckar und am Rheine
Kein' andre kommt dir gleich!”

„Das kann man nämlich nicht zitieren, meine Herren, das muß man singen!”

Man war wieder in Deutschland.

Und nach und nach lenkte sich durch Trotzendorff das Gespräch vom lyrischen Deutschland zum politischen hinüber.

„Verfluchte Sackgasse, unsre Politik! Die sich in das Wort zusammenfaßt: Feinde ringsum! Käm's doch endlich zum Krachen! Ich fürchte, daß wir mit diesen diplomatischen Hinauszögerungen die rechte Stunde des Losschlagens verpassen. Denn um den europäischen Krieg kommen wir doch nicht herum. Und dabei fehlt in unsren deutschen Rüstungen die Straffheit. Allgemeine Wehrpflicht? Auf dem Papier! Aus siebzig Millionen ließe sich mehr herauspressen! Sehen Sie doch nach Frankreich hinüber, wie das den letzten Mann heranholt und sogar die farbige Armee aus Afrika! Auch Maschinengewehr-Kompagnien fehlen uns noch; der Artillerie fehlt ein Einheitsgeschoß; zu wenig Einzelflieger — und so wäre manches auszusetzen. Ich fürchte, der deutsche Michel muß im nächsten Krieg erst nach Jena, ehe er nach Leipzig marschiert!”

„Und im Innern?” warf Bruck herüber.

„Die Sozialdemokratie? Je rascher und gründlicher die Auseinandersetzung, um so besser!” klang es vom Major zurück, in seinem etwas nasalen, doch festen Ton, den er sich auf dem Kasernenhof angewöhnt hatte.